MS-Symptome im Detail: Hirnatrophie

Hirnatrophie bei Multipler Sklerose

Das menschliche Gehirn ist ein kompliziertes Organ, es enthält etwa 100 Milliarden Nervenzellen. Jede dieser Zellen ist wiederum mit Tausenden anderen Zellen verschaltet, sodass ein komplexes Netzwerk entsteht. Dieses Netzwerk verändert sich – unser Gehirn kann sich umorganisieren, es kann wachsen oder schrumpfen.

Wenn wir etwas lernen, werden neue Verbindungen hergestellt, viel benutzte Hirnareale werden ausgebaut, ungenutzte Verbindungen aufgelöst – unser Gehirn passt sich also an die Aufgaben an, die an es gestellt werden.

Das Gehirn verändert sich aber nicht nur dadurch, wie es beansprucht wird. Mit dem Alter beginnt es zu schrumpfen. Ab dem 35. Lebensjahr nimmt sein Volumen im Schnitt um 0,1–0,3 % pro Jahr ab.1 Den Verlust an Hirnmasse nennt man Hirnatrophie oder Gehirnschwund. Das ist also ein normaler Vorgang, der in jedem Menschen abläuft.

Bei Menschen mit Multipler Sklerose kann zur altersbedingten Hirnatrophie eine krankheitsbedingte hinzukommen. Die genauen Mechanismen, die dazu führen, sind noch nicht geklärt. Man nimmt aber an, dass sie mit den Schädigungen der Myelinscheiden der Nervenzellen zusammenhängen, die durch Entzündungen verursacht werden. Klar ist, dass Hirnatrophien kognitive Beeinträchtigungen wie zunehmende Vergesslichkeit, Konzentrations- oder Orientierungsprobleme auslösen können. Auch Bewegungseinschränkungen stehen oft in Verbindung mit dem Verlust an Hirnmasse.

Anders als körperliche Beeinträchtigungen ist das Nachlassen der geistigen Fähigkeiten nicht sichtbar. Deshalb werden diese oft erst spät erkannt. Es gibt jedoch einige Hinweise, die darauf deuten können:1

  • Zunehmende Probleme, Neues zu erlernen
  • Schwierigkeiten, Informationen zu behalten, und verstärkte Vergesslichkeit
  • Abnehmende Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen
  • Schwierigkeiten, aufmerksam zu bleiben und sich zu konzentrieren
  • Verstärkte Probleme, schwierige Zusammenhänge und komplexe Situationen zu erfassen
  • Ungewohnte Scheu, sich auf neue Situationen einzulassen

Kognitive Einschränkungen treten nicht bei allen Menschen mit MS auf und wie stark sie ausgeprägt sind, ist individuell verschieden. Wenn sie auftreten, können sie jedoch Unsicherheit und Ängste auslösen. Ob in der Familie, mit Freunden oder am Arbeitsplatz: Probleme mit der eigenen Denkfähigkeit können leicht zu Missverständnissen und Stress führen.

Die oben beschriebenen Symptome sind oftmals nur schwer zu erkennen und für Außenstehende nicht immer nachzuvollziehen. Das kann den Leidensdruck für die Betroffenen noch erhöhen. Es kann daher hilfreich sein, die Erkrankung und deren Symptome offen anzusprechen.

Sprich auch mit Deinem Arzt oder Deiner MS-Nurse, falls Du den Eindruck hast, dass Du Dich schlechter konzentrieren kannst, sich Deine Denkprozesse verlangsamen oder Du zunehmend vergesslicher wirst.

MS-bedingte Hirnatrophien müssen nicht sein2

Die gute Nachricht: Krankheitsmodifizierende MS-Therapien können die MS-bedingte Hirnatrophie vermindern und das Fortschreiten bremsen – sogar bis zu einem Niveau, das dem normalen, altersbedingten Ablauf bei gesunden Menschen entspricht.

Da die Hirnatrophie oft schon recht früh im Krankheitsverlauf auftritt, also zu einem Zeitpunkt, an dem Symptome noch gar nicht so ausgeprägt sind, ist es wichtig, rechtzeitig mit einer krankheitsmodifizierenden Therapie zu beginnen. So kann nicht nur die Multiple Sklerose in Schach gehalten, sondern auch Gehirnzellen vor krankheitsbedingten Schäden geschützt werden.

Wie werden Hirnatrophien gemessen?

Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist derzeit die beste verfügbare Möglichkeit, in das Gehirn zu schauen. Mit ihr lassen sich hochauflösende Bilder des menschlichen Gehirns erstellen. Durch regelmäßige MRTs kann die Entwicklung einer Hirnatrophie festgestellt und das Fortschreiten genau gemessen werden.

Kognitive Einschränkungen können im Rahmen einer neuropsychologischen Untersuchung festgestellt werden. Dazu wird ein Arzt ein ausführliches Gespräch mit Dir führen und eine Reihe unterschiedlicher Tests machen.

Quellen:

Training für Körper und Kopf

Um geistig beweglich zu bleiben, kannst Du selbst aktiv werden, denn ähnlich wie Deinen Körper kannst Du auch Deinen Geist trainieren. Wir haben verschiedene Übungen und Programme hier auf der Website für Dich zusammengestellt.

  • Durch Bewegung in Kombination mit nicht alltäglichen Aufgaben wird Dein Körper gestärkt und Dein Kopf trainiert. Der zertifizierte Life Kinetik®-Coach Mathias Schiele hat dafür das Programm „Work-out mit Köpfchen“ entwickelt. Du findest seine Trainingsreihe auf dem MS-Begleiter YouTube Kanal. Das dazugehörige Übungsheft kannst Du Dir im Servicebereich herunterladen. 
  • Auch die Übungsreihe „MS & Bewegung: Sensomotorik und Kognition“ zeigt, wie sich mit Muskelkraft das Gehirn ankurbeln lässt. Auch hierzu findest Du hier einen Artikel mit Übungen oder Videos auf YouTube.

Zum Thema Kognition gibt es zudem zwei spannende Experteninterviews, die Dich eventuell interessieren: