Mit Muskelkraft das Gehirn ankurbeln

Mit Muskelkraft das Gehirn ankurbeln

Regelmäßiges körperliches Training in Maßen ist bekanntlich gesund, stärkt Herz und Kreislauf sowie die Muskelkraft und fördert die Beweglichkeit und die Koordinationsfähigkeit. Wer aber weiß schon, dass man mit gezielten Bewegungsübungen auch seine geistige Leistungskraft, seine Konzentrationsfähigkeit und sein Denkvermögen verbessern kann?

Steve Reisgies

Zur Person
Funktionelles Training für Rehabilitation und Prävention sowie die physiopädagogische Arbeit sind die Tätigkeitsschwerpunkte von Steve Reisgies. Der staatlich geprüfte Gymnastiklehrer arbeitet als Gesundheitspädagoge in Köln. Er ist als Personal Trainer tätig und engagiert sich in der betrieblichen Gesundheitsförderung. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt von Steve Reisgies ist die Ernährungsberatung.

Wie sich mit Muskelkraft das Gehirn ankurbeln lässt, zeigen die nachfolgend dargestellten Bewegungsübungen, die Gesundheitspädagoge Steve Reisgies aus Köln gezielt für Menschen mit Multipler Sklerose zusammengestellt hat.

Die Übungen sind so angelegt, dass sie die Selbstwahrnehmung und das Gleichgewichtsempfinden schulen und das Zusammenspiel von Sinneswahrnehmungen verbessern. Sie sollen regelmäßig, am besten mindestens dreimal pro Woche für 15 bis 20 Minuten durchgeführt werden und können dazu führen, das Muskel- und Nervensystem so zu stimulieren, dass sie „eine Sprache sprechen“. Das kann Funktionseinschränkungen entgegenwirken. Außerdem können körperliche und auch geistige Defizite positiv beeinflusst werden, das Nervensystem kann neue Vernetzungen bilden und Bewegungsmuster können sich neu entwickeln. Letztlich soll das zu mehr Sicherheit im Alltag führen, zu einer besseren körperlichen wie auch geistigen Beweglichkeit, einem gesteigerten Wohlbefinden im Alltag und insgesamt zu mehr Lebensqualität.

Das Training sollte dem persönlichen Fitness- und Gesundheitszustand angepasst und mit dem Arzt abgesprochen werden. Sie sind ohne aufwändige Hilfsmittel einfach zu Hause durchzuführen. Alle Übungen sollten mit festem Stand begonnen werden und sich im Schwierigkeitsgrad steigern.

Die Bewegungsübungen „Sensomotorik und Kognition“ kannst Du Dir auch unter den Video-Links anschauen und nachmachen.

Ms und bewegung uebung 1

1. Gleichgewicht auf einem Bein
ZIEL DER ÜBUNG: Stärkung der Körperwahrnehmung und des Zusammenspiels von Muskel- und Nervensystem; Schulung von Sinnesempfindungen in Balance und Dysbalance

SO GEHT ES:

Nehme einen festen Stand auf stabilem Untergrund ein. Stelle Dich dann auf ein Bein.

Steigere anschließend den Schwierigkeitsgrad indem Du auf instabilem Untergrund – zum Beispiel einem Balance-Pad oder einem zusammengerollten Handtuch – einbeinig balancierst. Zusätzlich kannst Du bei der Übung einen Ball hochwerfen und wieder auffangen.

Wenn Du den Trainingseffekt für Deinen Gleichgewichtssinn verstärken möchtest, kannst Du bei der Übung bewusst andere Sinne, wie zum Beispiel den visuellen Sinn ausschalten und Dich mit geschlossenen Augen ausbalancieren. Das gelingt oft nicht sofort oder nur für wenige Sekunden. Versuche dann, die Übung zunächst mit nur mit einem geschlossenen Auge durchzuführen und die Dauer peu à peu zu steigern.

Balance twist

2. Balance-Twist
ZIEL DER ÜBUNG: Kräftigung der Rumpf- und Beinmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit der Wirbelsäule; Kraftübung mit gleichzeitiger Optimierung des Gleichgewichts

SO GEHT ES:

Beginne im festen Stand auf stabilem Untergrund mit Kniebeugen und bewege dabei einen Ball durch Drehen des Oberkörpers von rechts nach links und zurück. Steige den Schwierigkeitsgrad, indem Du Dich auf einen instabilen Untergrund (Balance-Pad) stellst und gegebenenfalls die Übung mit einem schwereren Gegenstand – entsprechend der Alltagssituation zum Beispiel mit einem Kasten mit Wasserflaschen oder mit einer Tasche – durchführst. So lässt sich das Gewicht, das rotiert, beliebig variieren.

Ms und bewegung uebung 3

3. Ballwurf mit Timing
ZIEL DER ÜBUNG: Besserung der Rechts-Links-Koordination sowie dem Auge-Hand-Zusammenspiel in Kombination mit der Feinmotorik und der Reaktionsschnelligkeit

SO GEHT ES:

Werfe zunächst auf festem, dann auf instabilem Untergrund stehend einen Tennisball mit der linken Hand auf den Boden und fange ihn mit der rechten Hand wieder auf und umgekehrt.

Der Schwierigkeitsgrad lässt sich durch Bälle mit unterschiedlichem Springverhalten steigern. Um die Schwierigkeit weiter zu erhöhen, kannst Du den Tennisball in einem Becher aufgefangen.

Du kannst auch mit je einem Tennisball in der rechten und linken Hand trainieren. Die Bälle können dabei gleichzeitig oder abwechselnd geworfen werden. Wenn Du magst, kannst Du die Übung noch schwerer machen, indem Du Dich auf ein Bein stellst.

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4. Kniebeuge mit Fingerspitzengefühl
ZIEL DER ÜBUNG: Verbesserung der Feinmotorik und der Muskelkoordination, speziell auch der Auge-Hand-Koordination, Stärkung der Rumpf- und Beinkraft

SO GEHT ES:

Stelle Dich in den Ausfallschritt (Kniebeugen einseitig) und hebe einen Ball mit dem rechten gestreckten Arm aus Hüfthöhe beginnend über die Seite nach oben. Über dem Kopf übergibst Du den Ball von der rechten in Deine linke Hand und führst die Bewegung auf der linken Seite bis zur Hüfthöhe zurück. Nun die Übung von links nach rechts wiederholen. Du kannst auch einen Beinwechsel beim Ausfallschritt vornehmen. Mache die Übung zunächst auf festem Untergrund und steigere den Schwierigkeitsgrad, indem Du auf instabilen Untergrund (BalancePad) wechselst.

Ms und bewegung uebung 5

5. Standwaage de luxe
ZIEL DER ÜBUNG: Stärkung der Bauch- und Rumpfmuskulatur einschließlich der tiefen Muskulatur, die die Wirbelsäule stabilisiert

SO GEHT ES

Nehme die Position der Standwaage ein und habe dabei ein Gewicht, zum Beispiel eine drei oder fünf Kilogramm schwere Hantel oder eventuell eine Flasche Wasser auf und ab. Strecke das hochgehobene Bein möglichst vollständig bis in die Ferse und lasse Deine Fußspitze Richtung Boden zeigen.

Spanne mit der Beinstreckung auch Deine Gesäßmuskulatur an. Führe die Übung auf beiden Seiten durch.

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6. Ellenbogen-Stütz auf dem Gymnastikball
ZIEL DER ÜBUNG: Ganzkörperstabilisation, Aktivierung der Bauchund Rückenmuskulatur, Kräftigung des Schultergürtels und der Armmuskulatur

SO GEHT ES:

Stütze im Kniestand Deine Ellenbogen mit einer Beugung von etwa 90 Grad auf einen Gymnastikball oder alternativ auf einen Stuhlsitz. Dabei sollten Dein Bauch und Oberschenkel möglichst eine Linie bilden, so dass eine Streckung der Hüfte erreicht wird.

Versetze beim Training auf dem Gymnastikball diesen in Bewegung, um gezielt eine Dysbalance zu erzeugen und damit Dein Gleichgewichtstraining zu verstärken.

GZDE.MS.20.01.0025