Verlaufskontrolle

Verlaufskontrolle

Der Krankheitsverlauf der MS ist bei jedem Menschen anders. Deswegen gibt es auch keine Standardtherapie, die für alle funktioniert. Welche Therapie am besten für wen ist, muss individuell getestet und im Verlauf der Erkrankung eventuell angepasst werden. Regelmäßige Kontrolltermine mit Deinem Arzt oder einer MS-Nurse sind deshalb wichtig.

Manche Menschen mit MS fürchten sich vor diesen Terminen und schieben sie auf. Schon das Wort „Kontrolle“ klingt, als ob geprüft werden soll, ob man alles richtig gemacht hat. Doch es geht nicht darum, Dich zu kontrollieren, sondern zu sehen, ob Deine Therapie optimal passt oder wie sie gegebenenfalls angepasst werden kann. Das Leben ist dynamisch – sowohl medizinische als auch persönliche Aspekte können sich verändern. Deshalb solltest Du mit Deinem Arzt regelmäßig über Deine persönliche Situation, Erwartungen und Herausforderungen bei der Therapie sprechen. Nur wenn Dein Neurologe gut über Deine Situation informiert ist, kann er Dir gezielt helfen. Du solltest Deine Termine also zuverlässig wahrnehmen. Falls Dir das schwerfällt, kann es helfen, eine vertraute Person mit zu den Terminen zu nehmen.

Mindestens einmal im Jahr sollte eine Kontrolluntersuchung durchgeführt werden. Nach einem Schub oder wenn Du eine neue Therapie begonnen hast, können zusätzliche Termine notwendig werden. Vor dem Beginn einer neuen Therapie sollte auf jeden Fall eine Untersuchung stattfinden, um den aktuellen Stand der Dinge festzuhalten. Auf dieser Basis kann der Arzt später zuverlässiger sehen, ob die neue Therapie anschlägt oder nicht.1

Bis auf die Untersuchung des Nervenwassers sind die Untersuchungen bei der Verlaufskontrolle die gleichen wie die zur Diagnose, aber nicht bei jeder Kontrolluntersuchung werden alle Tests gemacht. Zunächst wird Dein Arzt oder die MS-Nurse nach Deinen Symptomen fragen, wie es Dir geht und wie Du Dich fühlst. Es ist wichtig, dass Du hier ehrlich antwortest, auch, wenn etwas nicht so gut läuft. Nur so bekommt Dein Arzt oder die MS-Nurse einen realistischen Eindruck von Deiner Situation.

EDSS, MSFC und weitere Skalen
Um den Verlauf einer Krankheit zu beurteilen, werden standardisierte Skalen verwendet. So wird sichergestellt, dass die Ergebnisse untereinander vergleichbar sind, auch wenn sie von unterschiedlichen Ärzten oder MS-Nurses durchgeführt werden.

  • Die Expanded Disability Status Scale (EDSS) ist eine Skala von 0 bis 10, die dazu dient, körperliche Einschränkungen auf einheitliche Art zu beschreiben. Beim Wert 0 liegen keine Beeinträchtigungen vor, während ein höherer Wert stärkere Beeinträchtigungen und Behinderungen wiedergibt. Die EDSS konzentriert sich vor allem auf die Funktion der Beine, also auf die Mobilität.

  • Die Multiple Sclerosis Functional Composite Scale (MSFC) untersucht die Funktion der Arme, Hände und Beine und die Konzentrationsfähigkeit.1

  • Die Fatigue Scale for Motor und Cognitive Functions (FSMC) konzentriert sich auf die sogenannte Fatigue, die dauerhafte Erschöpfung.2

  • Die MS Quality of Life (MSQOL-54) ist ein Fragebogen zur Lebensqualität. Darin geht es darum, wie sehr die MS im alltäglichen Leben stört und wie Du Dich fühlst.3

Evozierte Potenziale (VEP, SSEP, MEP)
Da die Nervenleitgeschwindigkeit durch die MS-typischen Nervenschädigungen oft verlangsamt ist, ist es wichtig, regelmäßig zu kontrollieren, wie gut Deine Nerven funktionieren. Bei den evozierten Potenzialen wird ermittelt, wie schnell der Körper auf einen Reiz reagiert.

Häufig getestet werden:

  • Visuell evozierte Potenziale (VEP): Reizung des Auges

  • Somatosensibel evozierte Potenziale (SSEP): Reizung eines Nervs an der Hautoberfläche, zum Beispiel an der Innenseite des Unterarms

  • Motorisch evozierte Potenziale (MEP): Reizung eines Nervs oder einer Hirnregion, die ein Muskelzucken auslöst4

Magnetresonanztomografie (MRT)
Die MRT spielt bei der Verlaufskontrolle eine wichtige Rolle. Sie zeigt, welche Nervenschädigungen vorliegen und ob sie sich ausbreiten. Unser Gehirn ist recht flexibel. Ganz nach dem Motto „Viele Wege führen nach Rom“ kann es Umleitungen nehmen und beeinträchtigte Nervenstrukturen umgehen. Deshalb fallen neue Nervenschäden im Alltag manchmal nicht auf. Das heißt, selbst wenn Du keine Anzeichen oder Symptome an Dir beobachtest, kann die Krankheit aktiv sein und voranschreiten. Deshalb ist es wichtig zu checken, in welchem Gesundheitszustand sich die Nerven befinden. Je nachdem, wie sich die Läsionen entwickelt haben, wird der Arzt gegebenenfalls die Therapie anpassen oder eine neue Therapie vorschlagen.

Weitere Informationen zu den Skalen und Untersuchungen findest Du im Kapitel: Wie wird Multiple Sklerose diagnostiziert?

Referenzen

  1. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Kapitel Entzündliche und erregerbedingte Krankheiten, Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose. Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Stand Januar 2012, aktualisiert August 2014. Verfügbar unter: https://www.dgn.org/leitlinien/2333-ll-31-2012-diagnose-und-therapie-der-multiplen-sklerose
  2. Penner IK et al. The fatigue scale for motor and cognitive functions (FSMC): validation of a new instrument to assess multiple sclerosis- related fatigue. Mult Scler 2009; 15: 1509–17
  3. MS verstehen – Diagnostik; Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V. Verfügbar unter: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-infos/ms-verstehen/vom-symptom-zur-therapie/diagnostik/