Zusammen is(s)t man weniger allein

Frau füttert mit Löffel ihren Hund beim Frühstück

In einem sind sich alle einig: Der Mensch muss etwas essen.

Doch schon bei der Frage, was und wie oft wir Mahlzeiten zu uns nehmen sollten, gehen die Meinungen weit auseinander. Während die einen am liebsten einen schnellen Imbiss auf die Hand verzehren und nebenbei auf ihr Handy schauen, investieren andere viel Zeit und Geld in aufwendige Menüs oder zahlreiche Küchenutensilien. Dabei gibt es ein Rezept, das wir im hektischen Alltag oft vergessen: Wer sich gesund ernähren möchte und sich selbst etwas Gutes tun will, der sollte neben frischen Zutaten vor allem auf eins Wert legen, das leider viel zu oft vergessen wird:

 

Zeit und gute Gesellschaft lassen jedes Essen gleich doppelt so gut schmecken.

 

In stressigen Zeiten kann ein gemeinsam genossenes Abendbrot oder ein Mittagessen in großer Runde nicht nur den Hunger stillen, sondern auch der Psyche Gutes tun. Der US-amerikanische Psychologe Marshall Duke untersuchte 2001 die Wirkung, die gemeinsame Abendessen und die dazugehörigen Gespräche auf heranwachsende Kinder hatten – und dies in schwierigen Tagen, denn sein Team forschte kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Schnell fand er heraus, dass die psychische Widerstandskraft der kleinen Esser deutlich gestärkt wurde, wenn die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen wurden.1

Auch wenn sich die Forschungswelt bis heute nicht wirklich sicher ist, wie stark der Einfluss der Familie und der Freunde, mit denen man seine Nahrung teilt, wirklich ist – schließlich gibt es noch zahlreiche andere Faktoren, die unser tägliches Leben prägen –, so ist sich die Wissenschaft doch einig: Wird in einer Familie häufig zusammen gegessen, geht es den Kindern psychisch deutlich besser als Gleichaltrigen, die alleine essen müssen.2

Essen mit Freunden macht satt. Und wirkt entspannend.

Experten der Berliner Humboldt-Universität konnten mit einer international besetzten Forschungsgruppe nachweisen, dass ein Essen mit den Kollegen entspannend wirken kann: „Bei einer gemeinsam eingenommenen Mahlzeit lässt die kognitive Kontrolle etwas nach, das heißt, man wird liberaler und sorgloser, nimmt eigene Fehler weniger ernst“, lautet ihre Erkenntnis. Um sie zu gewinnen, ließen sie 32 Versuchspersonen alleine im Büro oder gemeinsam mit einem guten Freund in einem Restaurant ihre Mahlzeiten einnehmen. Nach dem Essen wurde per Fragebogen, Messung der Gehirnaktivitäten und Reaktionszeit jeweils die Wirkung der zwei Essensvarianten untersucht.3

Doch ob große oder kleine Portionen, frisch gekocht oder aus der Packung – wichtig ist, dass wir uns ausreichend Zeit nehmen und uns mit allen Sinnen dem Genuss einer gelungenen Mahlzeit widmen. Und wenn dann noch gute Freunde, nette Nachbarn oder die lieben Kollegen mit am Tisch sitzen, bleibt nur noch eins zu sagen:

Guten Appetit zusammen!

4 Tipps, wie Essen noch mehr Freude macht

4 Tipps, wie Essen noch mehr Freude macht

Tipp 1: Iss bewusst ohne Ablenkung!

Für ein gutes Essen sollte man sich Zeit nehmen. Dazu gehört auch: Handy, Tablet oder Computer zur Ablenkung haben bei einer guten Mahlzeit mal Sendepause und gehören nicht auf den Tisch.

4 Tipps, wie Essen noch mehr Freude machtTipp 2: Verabrede Dich zum gemeinsamen Essen!

Auch wer alleine lebt, kann sich mit anderen verabreden, um gemeinsam zu kochen oder sich eine Mahlzeit zu teilen. Vielleicht gibt es ja im Haus ein paar nette Nachbarn, die eine Einladung gerne annehmen?

Oder man verabredet sich virtuell per Video-Chat zu einem gemeinsamen Essen und teilt einen Moment im Alltag.

4 Tipps, wie Essen noch mehr Freude machtTipp 3: Probier mal was Neues!

Probieren geht über studieren: Wer offen ist für neue Gerichte, wird oft positiv überrascht. Neue Gewürze, exotische Früchte oder einfach mal ein neues Gericht sorgen für Abwechslung.

4 Tipps, wie Essen noch mehr Freude machtTipp 4: Erfolgserlebnis durch‘s Selberkochen

Natürlich spricht ab und zu nichts gegen eine schnelle Mahlzeit. Aber wer selbst kocht, kennt nicht nur alle Zutaten, sondern kann sich noch mehr über ein gelungenes Essen freuen.

Und auch hier kann man sich zum gemeinsamen Kochen verabreden: vor Ort oder warum nicht auch mal virtuell?

Wer auf seinen Magen hört, erfährt viel Neues.

Eine Frage, die sich nicht nur Kinder gerne stellen, lautet: 

Wie weiß unser Körper eigentlich, wann wir etwas essen möchten?

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Zellen in der Magenschleimhaut geben ein bestimmtes Hormon frei – Ghrelin ist ein Botenstoff, der uns im wahrsten Sinne des Wortes Appetit macht. Zum Glück schwankt die Produktion dieses Hormons dabei im Laufe des Tages – wer möchte schon von morgens bis abends hungrig sein?4

Quellen:
  1. Duke MP et al. Of Ketchup and Kin: Dinnertime Conversations as a Major Source of Family Knowledge, Family Adjustment, and Family Resilience. The Emory Center for Myth and Ritual in American Life 2003; Working Paper No. 26; https://www.researchgate.net/publication/267720308_Of_Ketchup_and_Kin_Dinnertime_Conversations_as_a_Major_Source_of_Family_Knowledge_Family_Adjustment_and_Family_Resilience; letzter Zugriff: 14.09.2021
  2. Elgar FJ et al. Family Dinners, Communication, and Mental Health in Canadian Adolescents. Journal of Adolescent Health 2013; 52: 433–8
  3. Sommer W et al. How about Lunch? Consequences of the Meal Context on Cognition and Emotion, PLOS ONE 2013; 8: e70314.
  4. Was uns hungrig und was uns satt macht. https://www.geo.de/wissen/ernaehrung/1201-rtkl-essverhalten-was-uns-hungrig-und-was-uns-satt-macht; letzter Zugriff: 14.09.2021