Was uns so richtig glücklich macht? Das Glück!

Hand mit einem vierblättrigen Kleeblatt

Glück kann man nie genug haben – doch wie und wo finden wir es eigentlich?

Die Glücksforschung zeigt, dass der Weg zu mehr persönlichem Glück nicht von materiellen Werten abhängt. Manchmal hilft es schon, wenn wir uns „voll im Leben“ fühlen.

Auch mit Multipler Sklerose kann man sich „voll im Leben“ fühlen. Doch natürlich kann ein Leben mit MS auch zahlreiche Einschränkungen mit sich bringen.

Vielleicht kommt sogar die Frage auf: „Kann ich wirklich voll im Leben sein? Haben andere es nicht viel einfacher, dieses Ziel zu erreichen? Und wäre ein Leben voller Gesundheit und mit viel Geld nicht ein glücklicheres Leben?“

Wie wir Glück definieren, das hängt stark von unserer persönlichen Einstellung ab. Der Glücksforscher Richard Wiseman hat als Psychologe an der Universität von Hertfordshire jahrelang zu diesem Thema geforscht. Seine wichtigste Erkenntnis: Wer sich glücklich fühlt, hat auch mehr Glück. Was auf den ersten Blick banal klingt, belegte er mit Experimenten, die überraschen: Ein paar scheinbar achtlos hingeworfenen Geldscheine im Vorzimmer seines Büros wurden deutlich häufiger von Menschen gefunden, die sich selbst als Glückspilze bezeichneten als von den Teilnehmern, die sich für Pechvögel hielten. Seine Erklärung für dieses Phänomen: Wer sich glücklich fühlt, ist offener für neue Chancen und hat mehr Erfolgserlebnisse als notorische Schwarzseher.1

Glück kommt zu den Glücklichen

Jeder Single kennt das Problem: Gehen wir traurig durch die Welt, weil wir denken „Mich möchte sowieso niemand“, bleiben wir häufig allein. Sind wir dagegen offen für neue Erfahrungen, wirken wir auch interessanter auf andere und erhöhen so unsere Attraktivität. Dabei kann es schon helfen, an das eigene Glück zu glauben, um es auch zu bekommen.

Natürlich lässt sich das Glück nicht erzwingen, wie Lottospieler aus Erfahrung wissen. Auch wer jede Woche fest davon überzeugt ist, in dieser Woche den großen Jackpot zu knacken, wird nicht automatisch sechs Richtige haben. Allerdings gibt es einen kleinen Trost für alle, die auf den Millionengewinn hoffen, weil sie sich von ihm ein glückliches Leben versprechen: Richard Layard hat in seinem Buch „Die glückliche Gesellschaft“ aufgezeigt, dass Geld allein nicht glücklich macht.2

Die westlichen Industrieländer haben seit 1945 zwar immer mehr Wohlstand geschaffen – doch sind wir deshalb glücklicher? Nicht unbedingt. Schuld daran, dass wir uns auch in einer wohlhabenden Gesellschaft nicht immer überglücklich fühlen, ist nach Meinung von Richard Layard die Evolutionsgeschichte der Menschheit: Wer viel hat, möchte mehr.2

Eine Schwelle in Sachen „finanzielles Glück“ haben Daniel Kahneman und Angus Deaton in einer Studie aus dem Jahr 2010 definiert: 75.000 US-Dollar. Bis zu diesem Jahresgehalt stiegen laut ihrer Studie Einkommen und Glück beinahe linear, danach beginne die Kurve abzuflachen.3

Eine Studie des US-amerikanischen Forschers Matthew Killingsworth aus dem Jahr 2021 kommt allerdings zu dem Schluss: Je höher das Gehalt, desto glücklicher ist man. Killingsworth erklärt sich die Ergebnisse unter anderem damit, dass Besserverdienende ein gesteigertes Gefühl der Kontrolle über ihr Leben haben.4

Dennoch: Geld allein reicht nicht aus, um glücklich zu sein. Das zeigt die XING-Gehaltsstudie 2019. Demnach wäre jeder zweite Befragte in Deutschland bereit, für eine erfüllende Tätigkeit oder eine gesellschaftlich verantwortungsvolle Aufgabe weniger zu verdienen. In der Schweiz sind es sogar knapp zwei Drittel der Befragten.5

Wer selbst Kinder hat oder ihnen in seinem Bekanntenkreis begegnet, hat diese Erfahrung wahrscheinlich schon gemacht: Der materielle Wert eines Bildes, das ein Kind für uns malt, dürfte sehr gering sein. Und doch ist es für viele Menschen mehr wert und macht sie viel glücklicher als das Werk eines berühmten Künstlers, das teuer gehandelt wird.

Zuviel Glück kann unglücklich machen

Der Autor und Fernsehmoderator Eckhart von Hirschhausen hat in den letzten Jahren zahlreiche Bücher und Bühnenprogramme rund um die Suche nach dem Glück geschrieben. In einem Interview zum Thema fasst er eine wichtige Erkenntnis zusammen: „Genuss wird durch Intensität gesteigert, nicht durch Menge. Ein Glas Rotwein am Abend, kein Tetra Pak® über den Tag. Schokoriegel statt Torte. Wellnesswochenende – aber nach vier Tagen Massage kann man kein Öl mehr sehen. Sex ist schön, aber 24 Stunden am Tag?“1

Die Intensität, die Dr. Hirschhausen hier anspricht, entsteht durch die Suche nach dem Glück. Dabei können wir scheitern, aber wir sollten immer wieder versuchen, unser Glück zu finden. Ob in Form einer Beziehung, neuen Freundschaften, unvergesslichen Erlebnissen auf Reisen oder mit dem Erlernen neuer Fähigkeiten – wer das Glück sucht, ist auf dem richtigen Weg und fühlt sich leichter „voll im Leben.“

Grün macht glücklich

Wer schon einmal einen ruhigen Wald besucht hat oder am Meer war, kennt die Erfahrung: In der Natur fühlen wir uns oft besonders glücklich. Eine schöne Umgebung ist nicht nur ein Glück, das wenig bis gar nichts kosten muss – es ist sogar wissenschaftlich erwiesen, dass die Natur unsere Glücksgefühle verstärkt. In ihrer Untersuchung „Happiness is greater in natural enviroments“ wiesen George MacKerron und Susana Mourato schon 2013 mithilfe einer App nach, dass unsere Umgebung einen wichtigen Einfluss auf unsere Stimmung hat.6 Die Teilnehmer ihres Experimentes fühlten sich immer dann besonders zufrieden, wenn ihre Umgebung Flora und Fauna war.7 Kein Wunder also, dass Urban Gardening oder Aktivitäten in der Natur immer beliebter werden und der Trend viele Berufstätige raus aus der Stadt ins Umland mit Wiesen und Wäldern führt.

Zum Glück gibt es gute Freunde

„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt“, sangen einst die Comedian Harmonists und später der Volksschauspieler Heinz Rühmann.

Wie recht sie damit hatten, zeigt auch die Glücksforschung: Der Mediziner Nicholas Christakis und der Soziologe James Fowler erforschten in einer „Glücksstudie“, wie soziale Netzwerke unsere Stimmung beeinflussen.7 Sie kamen zu dem Schluss: Wer glückliche Menschen um sich herum erlebt, wird selbst auch glücklicher sein.7 Denn mit dem Glück verhält es sich wie mit dem Lachen – es ist ansteckend.

Wer sich also in diesen Zeiten nicht besonders glücklich fühlt, sollte sich einfach mal wieder bei alten Freunden melden und ihnen damit eine Freude machen. Oder es so halten, wie es ein alter Postkartenspruch seit vielen Jahren verkündet: Collect moments, not things! Denn wer statt immer neuen Besitztümern neue Erfahrungen und Erlebnisse sammelt, wird am Ende mit etwas Glück das Glück finden – und sich ein wenig mehr „voll im Leben“ fühlen.

Quellen:
1 https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2008/glueck/wird-schon-schiefgehen, letzter Zugriff: 17.05.2022; 
2 https://www.deutschlandfunkkultur.de/kurswechsel-fuer-politik-und-wirtschaft-100.html, letzter Zugriff: 17.05.2022; 
3 https://news.gallup.com/businessjournal/150671/happiness-is-love-and-75k.aspx, letzter Zugriff: 17.05.2022;
4 https://penntoday.upenn.edu/news/money-matters-to-happiness-perhaps-more-than-previously-thought, letzter Zugriff: 17.05.2022; 
5 https://gehaltsstudie.xing.com/, letzter Zugriff: 17.05.2022; 
6 https://eprints.lse.ac.uk/49376/1/Mourato_Happiness_greater_natural_2013.pdf, letzter Zugriff: 17.05.2022; 
7 https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/nicholas-a-christakis-u-a-connected-um-sechs-ecken-herum-kennen-wir-uns-alle-1971788.html, letzter Zugriff: 17.05.2022.
MAT-DE-2202027-1.0-05/2022