Für Angehörige – Alltag leben mit MS

Für Angehörige

Nach der MS-Diagnose ist es wichtig, den Menschen mit MS nicht auf seine Krankheit zu reduzieren und seinen Wunsch nach Eigenständigkeit zu respektieren. Denn auch mit MS ist in vielen Fällen ein weitgehend selbstbestimmtes Leben möglich.

Bleibt im Gespräch – miteinander und mit anderen
Je nach Krankheitsverlauf kann es vorkommen, dass Dein Angehöriger stärker mit seinen Kräften haushalten muss. Das ist völlig normal. Man ist jedoch oft geneigt, eine wachsende Belastung möglichst lange zu ignorieren. Redet offen darüber und schiebt schwierige Aussprachen nicht auf die lange Bank.

Es hilft, sich zu Gesprächen zu verabreden. Unternehmt zum Beispiel regelmäßig Spaziergänge oder Ausflüge, bei denen Ihr Euch ungestört unterhalten könnt. In entspannter Atmosphäre ist es leichter zu überlegen, wo Grenzen liegen und welche Anpassungen am besten helfen. Besprecht auch, wie die Rollen und Aufgaben in Eurer Beziehung künftig verteilt werden können. Dabei sind Offenheit und Klarheit von besonderer Bedeutung sowie eine realistische und ehrliche Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit.

Bleibt dran. Ihr werdet nicht immer schon beim ersten Mal eine Antwort oder eine Lösung finden. Komplexere Fragen brauchen manchmal mehrere Gesprächsrunden mit Zeit zum Nachdenken und Verarbeiten. Das ist nicht ungewöhnlich.

Die MS sollte nicht als Dauerthema alles andere überschatten, aber sie muss akzeptiert und in das alltägliche Leben integriert werden – ganz nach der Devise „So wenig wie möglich und so viel wie nötig”.

Unterstützen, nicht entmündigen
Es ist vollkommen natürlich, dass Du als Angehöriger dem Menschen mit MS viel Fürsorge geben möchtest. Dabei kann es passieren, dass Du in bester Absicht vieles ungefragt übernimmst. Das können Betroffene als Mitleid oder sogar Entmündigung wahrnehmen. Frage offen, welche Hilfe sich Dein Partner, Verwandter oder Freund wünscht. Oder mache Vorschläge, wie zusätzliche Unterstützung Zeit und Kräfte freisetzen könnte. Zu viel Hilfe kann aber auch erdrückend sein und untergräbt die Eigeninitiative und Selbstständigkeit des Menschen mit MS. Das Ziel bei jeder Unterstützung sollte sein, eine realistische Balance zwischen Helfen und Fordern zu finden – nur so kann der Alltag auf Dauer funktionieren, ohne dass einer überlastet oder verletzt wird.

Grenzen erkennen und wahren
Als Angehöriger willst Du Deine Belastung vielleicht nicht zeigen und stellst Deine Bedürfnisse zurück. Das kann die Beziehungen zu Deinem Freund, Familienmitglied oder Partner auf Dauer stark belasten. Achte deshalb auch auf Deine Bedürfnisse und bewahre eigene Freiräume! Es ist wichtig, dass Du Dich nicht überlastest und Dir ab und zu eine Auszeit gönnst, um Kraft zu tanken. Das hat nichts mit Egoismus zu tun.

  • Triff Dich weiter mit Freunden und pflege den Kontakt zu Bekannten.
  • Gehe Deinen Hobbys und eigenen Interessen nach.
  • Mache ausgedehnte Spaziergänge oder treibe Sport, um durch die körperliche Bewegung Stress abzubauen.

Ein Gesprächsleitfaden für Angehörige
In Zusammenarbeit mit Experten haben wir einen Leitfaden entwickelt, der bei einem Gespräch mit Deinem Angehörigen helfen kann. Der Vierstufenplan gibt Dir Checklisten an die Hand und informiert über Dos and Don’ts. Zudem ist das Contact Center des Patienten Service Programms MS-Begleiter unter der Nummer 0800 9080333 auch für Angehörige da.

> Hier geht’s zum Download

GZDE.MS.20.01.0012