Auf dem Weg zu mehr Glücksmomenten

Auf dem Weg zu mehr Glücksmomenten mit MS Persönlich

Einfach und unbeschwert in den Tag hineinleben und die kleinen Momente genießen – das wünschen sich viele Menschen mit Multipler Sklerose. Die Realität sieht jedoch oft anders aus und Sorgen und Ängste, wie es wohl weitergehen wird, beherrschen die Gedanken. Dann kann es hilfreich sein, Deine innere Kraft zu mobilisieren. Vertraue auf Dich und Deine Stärken und nutze innere Ressourcen. Sie sind der Weg zu mehr Glücksmomenten.

Hättest Du auch manchmal gerne eine Kristallkugel und könntest in die Zukunft blicken? Wir wissen nicht, was morgen oder im nächsten Jahr sein wird. Es macht jedoch wenig Sinn, sich allzu viele Gedanken darüber zu machen oder Dir den Kopf über Dein mögliches Leben in zehn Jahren zu zerbrechen. Das Grübeln über die Zukunft wird oft von Ängsten begleitet und kann Deine Gedanken trüben. Das betrifft insbesondere Menschen mit einer chronischen Erkrankung wie MS. Du solltest Dich deshalb bewusst um eine positive Lebenseinstellung bemühen. Diese kann wesentlich dazu beitragen, die zum Teil mit der Erkrankung verbundenen Einschränkungen zu akzeptieren und gut zu bewältigen.

Denke positiv

„Optimismus ist nicht jedem Menschen von Natur aus gegeben“, sagt dazu Andrea Horn. „Aber man kann lernen, mit seinen Gedanken nicht stets in der Zukunft zu verweilen und sie von der negativen in eine positive Richtung zu wenden“. Andrea Horn ist Mitgründerin von „Spiegelneuronen“ und begleitet als Psychotherapeutin auch Menschen mit einer chronischen Erkrankung. Sie unterstützt sie auf ihrem Weg zu mehr Lebenszufriedenheit.

Für Menschen mit einer chronischen Erkrankung ist es nach ihren Worten auch wichtig, mit den Gedanken nicht in der Vergangenheit zu verweilen und verlorener Zeit nachzutrauern. „Es geht vielmehr darum, das Hier und Jetzt bewusst wahrzunehmen mit all seinen Facetten“, sagt die Psychologin. Das bedeutet keineswegs, dass man seine Ziele aus den Augen verlieren sollte oder nicht mehr in Erinnerungen schwelgen darf. Doch sollte man immer auch die Dinge im eigenen Leben bewusst wahrnehmen, die gerade jetzt positiv sind.

Lausche der Natur

Wie das gelingen kann, macht Andrea Horn an einem Beispiel deutlich: Es ist aus ihrer Erfahrung sehr hilfreich, im Frühjahr viel Zeit draußen zu verbringen, aktiv das Neuerwachen der Natur zu erleben, auf das Zwitschern der Vögel zu hören und zu sehen, wie sich Tag für Tag die Knospen der Blätter an den Bäumen etwas weiter entfalten und die Natur wieder grün wird. „Den Kreislauf der Natur zu beobachten, kann uns helfen, unseren Blick wieder zu weiten, den Kopf frei zu machen von kreisenden Gedanken, uns selbst und unsere inneren Kräfte wieder mehr zu spüren“, sagt Andrea Horn. Das klappt übrigens nicht nur im Frühling. Jede Jahreszeit hat ihren besonderen Reiz und die Natur bietet über das ganze Jahr immer wieder schöne Momente.

Schärfe Deine Sinne

Zudem kann es helfen, seine Sinne zu schärfen, um das Leben mehr zu genießen: „Wir sollten wieder damit beginnen, unsere Umwelt und zum Beispiel unsere Mahlzeiten nicht einfach hinzunehmen, sondern aktiv zu riechen und zu schmecken“, so Horn. Woran erinnert mich dieser Geruch? Was verbinde ich mit diesem Geschmack? Wann habe ich dies zuletzt so gespürt? Wer dies ergründet und übt seine Sinne zu schärfen, wird sich wundern, wie vielfältig die Sinneseindrücke sind und wie gut es unserem Körper tut, diese wahrzunehmen!

Werde Dir Deiner inneren Stärken bewusst

All das kann dazu beitragen, dass Du Dir auch Deiner inneren Stärken bewusst wirst. Dazu gehört beispielsweise der Humor, der uns schwierige Ereignisse leichter ertragen lässt oder der Mut Neues zu wagen und die Ausdauer, sich lange einer Aufgabe zu widmen. Auch die Dankbarkeit für die selbstverständlich erscheinenden positiven Dinge in unserem Leben gehört dazu, wie zum Beispiel das fließende kalte und warme Wasser in deiner Wohnung oder die Liebe und Zuneigung unseres Lebenspartners und unserer Familie.

Stärken können leicht mit Talenten, Fähigkeiten oder mit Werten verwechselt werden. Sie unterscheiden sich jedoch davon.

  • Talente sind Verhaltensweisen, die Dir in die Wiege gelegt wurden und die Du nicht einmal besonders üben musst, um sie gut zu können.
  • Fähigkeiten sind Verhaltensweisen, die Du ausgiebig trainiert hast und die Du deshalb gut kannst.
  • Werte, wie zum Beispiel Pünktlichkeit oder Zuverlässigkeit, sind Dinge, die Dir wichtig sind und die sich deshalb in Deinem Verhalten zeigen können.

Stärken gehen darüber hinaus. Sie beeinflussen nicht nur Dein Verhalten, sondern auch Deine Gedanken und Gefühle. Nicht alles, was wir gut können, erfüllt uns automatisch mit Glück und Zufriedenheit. Wenn wir unsere Stärken einsetzen, kann das jedoch genau das auslösen.

Wie findest Du Deine Stärken?

Der einfachste Weg Deine inneren Stärken zu finden ist, Dich selbst zu beobachten – und das liebevoll und wohlwollend. Stell Dir zum Beispiel folgende Fragen: Was kann ich gut? Was macht mir Freude? Wofür habe ich positives Feedback erhalten? Du kannst auch Menschen fragen, die Dich kennen, denn manchmal fällt es uns schwer, die eigenen Stärken zu benennen. Oder mache den wissenschaftlich fundierten VIA-Stärkentest der Universität Zürich. Dieser kann Dir helfen, Deine Charakterstärken zu entdecken.

Wie können unsere Stärken helfen, glücklicher zu werden?

Wer seine innere Stärken kennt und nutzt, dem fällt es meist leichter, längst fällige Veränderungen zu realisieren, Vorsätze in die Tat umzusetzen oder schwierige Aufgaben anzugehen. Außerdem ist es meist einfacher, in einer Tätigkeit völlig aufzugehen, wenn man seine inneren Stärken dafür einsetzen kann. „Oft gelangen wir dann in einen sogenannten Flow, in einen Zustand der völligen Vertiefung, in dem die Zeit unbemerkt vergeht und wir alles um uns herum vergessen“, erklärt Andrea Horn. Je öfter man diesen Flow-Zustand erreicht, umso häufiger wird man Glücksmomente spüren und umso höher ist die Lebenszufriedenheit.

MAT-DE-2101382-1.0-06/2021