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Da bist du ja wieder… oder?

Lara in Gedanken

An dieser Stelle möchte ich zuerst einmal betonen, dass ich keine Ärztin bin, keine Krankenschwester, keine medizinische Ausbildung habe. Ich möchte auch keinesfalls sagen, dass meine Art, mit MS oder auch wie ich mit meinem Körper im Gesamten umgehe, der richtige Weg für alle Menschen ist. Wir alle sind so verschieden, ganz individuell. Nicht umsonst wird sie ja auch als die Krankheit der 1000 Gesichter bezeichnet. Was ich machen kann und möchte, ist, in diesen Tagebucheinträgen von meinen ganz persönlichen Gedanken, Erlebnissen und Erfahrungen mit Multipler Sklerose zu erzählen. Von meiner Reise mit meiner MS. Liest du mit?

Liebe MS,

da bist du ja wieder. Wieder präsenter in meinem Leben. Obwohl ich mir ehrlich gesagt nicht 100 % sicher bin, dass du es wirklich bist. Du verrätst es mir auch nicht, was ich ziemlich unfair finde. Das Einzige, was ich mit Sicherheit weiß, ist, dass ich wieder verstärkt Augenprobleme habe. Meine Probleme im rechten Auge in Verbindung mit anhaltenden Kopfschmerzen waren der Auslöser, warum ich mich vor vier Jahren entschlossen habe, in die Notaufnahme zu fahren und mich untersuchen zu lassen. Danach folgten ein paar Tage später MRT, Blutabnahme, Sehtest, Lumbalpunktion und schlussendlich die Diagnose mit dir.

"Hallo, mein Name ist Lara und ich habe MS. Multiple Sklerose, nicht Muskelschwund. Nein, das geht nicht wieder weg. Ja, das habe ich jetzt für immer. Gefällt mir nicht unbedingt, ist jetzt aber halt so. Wird schon werden."

Wir haben uns die Jahre über eigentlich ziemlich gut miteinander arrangiert, muss ich sagen. Ich lasse dich in Ruhe und du mich meistens auch. Manchmal muss ich dich aber wohl irgendwie unbewusst triggern und du zeigst mir ganz deutlich deine Grenzen. Ich frage mich, ob das jetzt gerade auch der Fall ist. Normalerweise hatte ich Augenprobleme im rechten Auge und nur ganz, ganz selten mal Anflüge von Sehstörungen im linken Auge. In letzter Zeit habe ich aber ausschließlich und fast täglich Sehstörungen im linken Auge. Es ist, als ob ich durch eine schmutzige Brille gucken würde, besonders ein Punkt scheint extradreckig zu sein. Steckst du dahinter? Normalerweise sind Sehstörungen dieser Art nämlich das erste Anzeichen für mich, dass ich in einen Schub hineinschlittere. Das wäre natürlich nicht so optimal, um es milde auszudrücken.

Ich hatte allerdings auch mehr Stress. Habe gerade einen neuen Job angefangen, der auch am Computer ist. Ich glaube, zu viel Screen-Zeit ist nicht gesund, zumindest macht mich das oft schwindelig. Ich mache im Moment auch kaum Yoga oder generell Sport, da ich gerade in Deutschland bin und in den Sommerferien der Badmintonverein meiner Stadt Sommerpause macht. Mich für Yoga zu motivieren, fällt mir leider oft noch ziemlich schwer, egal wo ich bin, obwohl ich genau weiß, dass es mir danach immer viel besser geht. Ich möchte aber noch weiterhin daran arbeiten, mir eine tägliche Yoga-Routine aufzubauen. Liegt es vielleicht daran, dass meine Körperposition schief und schräg ist; vielleicht irgendein Muskel oder Nerv falsch liegt? Sag es mir doch bitte. Nein? Unhöflich. Ich versuche wirklich, dir zuzuhören, aber irgendwie scheint unsere Kommunikation gerade nicht die beste zu sein …

Manchmal kann ich stundenlang sehen wie ein Luchs (naja, mit meiner Brille auf der Nase). Manchmal kommen die Sehstörungen plötzlich zurück und machen mir eine Heidenangst. Was, wenn das nicht mehr weggeht? Was, wenn es schlimmer wird? Was, wenn ich mir gerade ganz umsonst Panik und damit alles noch schlimmer mache?

Ich werde dich und die Augenprobleme verstärkt im Blick behalten. Ich werde versuchen, uns beiden weiterhin Gutes zu tun – ja, auch dir. Obwohl ich dich nach wie vor als ziemlich unhöflich betrachte, weil du mir nichts erzählen willst, so weiß ich doch, dass ich uns nicht wirklich trennen kann. Ich beeinflusse dich und du beeinflusst mich. Also bin ich die Klügere von uns beiden und behandle dich gut. Ist ja auch irgendwie ziemlich eigennützig, oder? Ich werde Yoga machen, daran arbeiten, mich effektiver zu entspannen und somit dir und mir die Möglichkeit geben, zur Ruhe zu kommen und uns wieder wohler miteinander zu fühlen. Ich hoffe, du hilfst mir dabei.

Fortsetzung folgt!

Deine Lara ?

GZDE.MS.19.09.0668