Subtile MS-Symptome werden oft unterschätzt
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Die Multiple Sklerose (MS) kann ganz schön belastend sein – auch, wenn sie scheinbar unter Kontrolle ist und die Schübe ausbleiben. Eine Patientenumfrage1 zeigt: Jede/r Dritte fühlt sich durch körperliche oder geistige Symptome (z. B. Konzentrationsschwierigkeiten, Probleme beim Erinnern, Fatigue oder Ähnliches),
stark bis sehr stark im Alltag eingeschränkt. Dies unterstreicht den Einfluss der Beschwerden abseits akuter MS-Schübe auf die Lebensqualität.
Immer präsent, mental und körperlich
Befragt wurden MS-Patient*innen aus Deutschland, die, obwohl sie keine Schübe mehr hatten, von einer schleichenden Verschlechterung (Progression) betroffen sind. Die Ergebnisse zeigen: 41 % der Befragten denken wöchentlich an die Erkrankung. Treten Situationen mit höherem Stress auf, nehmen 85 % eine Zunahme ihrer MSSymptome wahr. Mehr als jede/r zweite Teilnehmende (52 %) nannte als größte Sorge den Verlust der Eigenständigkeit. Zweithäufigste Sorge waren mit 46 % zunehmende Mobilitätseinschränkungen. Es folgten die finanzielle Absicherung (35 %) sowie zunehmende Konzentrations- und Gedächtnisprobleme (35 %).
Subtile Symptome erkennen – eine Herausforderung
Neben Gedanken und Sorgen, die Betroffene belasten können, beeinträchtigen Krankheitssymptome den Alltag. Das sind nicht nur Schübe, sondern können auch subtile, sich schleichend verschlechternde Symptome sein, die unter Umständen lange nicht erkannt oder nicht mit der MS in Verbindung gebracht werden.
Unabhängig von Schüben bemerken die Befragten mentale und körperliche Symptome:
Abb. 1: Mentale und körperliche Symptome einer MS. Ergebnisse der Patientenumfrage.1
Besonders auffällig: Obwohl eine Vielzahl an Beschwerden auftritt, geben 44 % der Befragten an, ihre Symptome nicht zu dokumentieren. Denn gut ein Viertel (27 %) sieht keinen Mehrwert darin, mit ihrem Behandlungsteam darüber zu sprechen. Dabei ist es wichtig, die MS und ihre Symptome auch unabhängig von Schüben im Auge zu behalten. Subtile Anzeichen wie Vergesslichkeit, Schwindel, Stolpern oder Blasenfunktionsstörungen können einen Hinweis darauf geben, dass die MS weiter voranschreitet. Umso wichtiger ist daher, dass Du solche Anzeichen im Blick behältst und bereits kleine Veränderungen Deinem Neurologen bzw. Deiner Neurologin mitteilst. Gemeinsam könnt ihr prüfen, inwiefern eine Therapieanpassung oder weitere Maßnahmen angebracht sein können, um Deine Lebensqualität zu verbessern.
MS kann, muss aber nicht mit Schüben verbunden sein. Auch ohne akute Schübe können Symptome auftreten. Heute versteht man die MS zunehmend als Krankheitskontinuum, bei der zwei Prozesse den Verlauf beeinflussen können: ein akuter Entzündungsprozess, ursächlich für Schübe und akute Verschlechterungen, sowie ein chronisch schwelender Entzündungsprozess. Letzterer läuft unabhängig von Schüben und bereits mit Beginn der Erkrankung ab und kann maßgeblich zum Fortschreiten einer MS beitragen.2
Mehr über die Entzündungsprozesse bei Multipler Sklerose und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse erfährst Du auf ms-perspektivwechsel.de.
Quellen:
- Ergebnisse einer Umfrage Ende April. Bei den Befragten (n = 54) handelt es sich um deutsche Patient*innen mit RRMS (schubförmig remittierende MS) und SPMS (sekundär progrediente MS), die einen Fortschritt ihrer Erkrankung unabhängig von Schüben aufweisen. Das Durchschnittsalter beträgt 42 Jahre, darunter 37 % männliche und 63 % weibliche Befragte. Die Befragung wurde in Zusammenarbeit mit der GIM Gesellschaft für Innovative Marktforschung mbH durchgeführt.
- Scalfari A, Traboulsee A, Oh J, et al. Ann Neurol. Published online July 25, 2024. doi:10.1002/ana.27034.
MAT-DE-2505418-1.0-01/2026