Die Zukunft im Blick – Ausbildung mit Multipler Sklerose

Ausbildung mit Multipler Sklerose

Wer die Diagnose MS schon früh erhält, geht vielleicht noch zur Schule, steckt mitten in einer Ausbildung oder im Studium. In dieser Zeit kreisen viele Gedanken um die berufliche Zukunft: Was möchte ich einmal erreichen? Welcher Beruf passt zu mir? Bekomme ich mit meiner Erkrankung noch einen guten Ausbildungsplatz?

Es ist praktisch unmöglich, genau vorherzusagen, wie sich die MS bei Dir entwickeln wird und welche Folgen sie für Dein berufliches Leben haben kann. Deshalb solltest Du Ziele und Wünsche selbstbestimmt verfolgen und Entscheidungen über Deine berufliche Laufbahn vor allem nach Deinen Fähigkeiten und Interessen treffen. Schließlich willst Du viele Jahre zufrieden in Deinem Beruf arbeiten. Folgende Punkte kannst Du bei Deiner Karriereplanung jedoch bedenken:

  • Ein wenig Stress kann motivieren und förderlich sein. Ständige Überforderung wirkt sich aber möglicherweise negativ auf den Krankheitsverlauf aus.1
  • Du solltest darauf achten, dass Dein Beruf körperlich nicht zu anstrengend ist und Du weder großer Hitze noch starker Kälte ausgesetzt bist. Beides kann die Symptome der MS negativ beeinflussen.2

Berufsberatung
Die Berufswelt unterliegt einem ständigen Wandel. Einige Berufe, die heute auf der Wunschliste junger Menschen stehen, gab es vor ein paar Jahren noch nicht. Nutze die Erfahrung von Fachleuten. Sie können Dich umfassend beraten und Dir mit Tipps und Ratschlägen helfen.

  • www.arbeitsagentur.de Die Berufsberater der Bundesagentur für Arbeit können Dich dabei unterstützen, Deine Leistungsfähigkeit einzuschätzen. Außerdem bringen sie individuelle Voraussetzungen und Wünsche mit passenden Berufsbildern in Verbindung.
  • www.reha-servicestellen.de Reha-Berater der Krankenkassen, der Rentenversicherungsträger und der Bundesagentur können Dich in Bezug auf Deine berufliche Entwicklung unterstützen.

Ausbildung mit MS
Der Schulabschluss ist zum Greifen nah. Ein letztes Mal für Schulprüfungen büffeln und dann ... Ausbildung oder Studium? Mit einem guten Schulabschluss stehen Dir viele Möglichkeiten offen. Eine Ausbildung ist in vielen Arbeitsbereichen die Voraussetzung für eine qualifizierte Beschäftigung. Es gibt auch spezielle Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten in der Ausbildung:

  • Die Berufsausbildungshilfe – kurz: BAB – ist eine finanzielle Unterstützung, die von allen Azubis bei der Agentur für Arbeit beantragt werden kann. Für Menschen mit MS gibt es zusätzliche Leistungen. Zum Beispiel kann die BAB verlängert oder eine Zweitausbildung beantragt werden, wenn die Ausbildung aufgrund von längeren Krankheitsphasen unterbrochen oder abgebrochen werden musste. Im Gegensatz zum BAföG muss die BAB nicht zurückgezahlt werden.
  • Das Ausbildungsgeld ist eine weitere Finanzierungsmöglichkeit. Sie wird ebenfalls über die Agentur für Arbeit organisiert und ist ausschließlich für Azubis mit Behinderung gedacht. Sie wird während der beruflichen Ausbildung und während berufsvorbereitender Maßnahmen gezahlt.

BAföG gibt’s auch in der Ausbildung
Wer in seiner Ausbildung kein ausreichendes Gehalt bekommt, kann BAföG oder einen Bildungskredit beantragen. Unter www.bafög.de findest Du umfassende Informationen zu beiden Themen.

Mitten in der Ausbildung
Wurde die Diagnose MS während Deiner Ausbildung gestellt, ist das kein Grund, vorschnell abzubrechen. Unser Tipp: Rede mit Deinem Arbeitgeber. Gemeinsam könnt Ihr besprechen, wie Du Deinen Ausbildungsalltag an die neue Situation anpassen kannst. Solltest Du jedoch merken, dass Du einen Weg gewählt hast, der nicht in Dein neues Leben passt, ist das kein Grund zu resignieren. Eine Umschulung oder ein Studium können Dir neue Perspektiven eröffnen.

Schon kleine Veränderungen können viel bewirken.

Quellen:

  1. Mohr DC et al. Psychological stress and the subsequent appearance of new brain MRI lesions in MS. Neurology 2000; 55(1): 55–61
  2. Scott LD et al. Thermoregulation in multiple sclerosis. J Appl Physiol 2010; 109(5): 1531–37
GZDE.MS.20.01.0012