Ich blicke mit Zuversicht in die Zukunft

Portrait Anja

Vor neun Jahren entwickelte Anja Sehstörungen und es wurde eineschubförmig-remittierende MultipleSklerose festgestellt. Auf den erstenSchock der Diagnose folgten verschiedene, zunächst wenig erfolgreiche Therapieversuche. Inzwischen hat die nun 31-Jährige die für sie richtige Therapie gefunden. Sie hat die Krankheit akzeptiert, eine Familie gegründet, ist wieder beruflich engagiert, hat jüngst ein Haus mit steiler Treppe gekauft und blickt optimistisch in die Zukunft.

„Ich wachte eines Morgens auf und konnte auf beiden Augen nur noch verschwommen sehen“, so schildert Anja den Beginn ihrer Erkrankung. Die Sehstörungen verstärkten sich im Laufe des Tages und die junge Frau konsultierte einen Augenarzt, der jedoch keine Ursache feststellen konnte. Das Gesichtsfeld schränkte sich zunehmend ein und Anja wurde an einen Neurologen
überwiesen, der eine Kernspinuntersuchung veranlasste. „Da ich als medizinisch-technische Radiologieassistentin in der Klinik arbeite, konnten die notwendigen Untersuchungen rasch erfolgen und nach nur einer Woche war klar, dass ich offensichtlich an einer MS leide“, berichtet Anja.

Die Diagnose war für sie ein Schock: „Ich hatte aus beruflichen Gründen schon viele MS-Patienten erlebt, mir fielen sofort vor allem die Patienten ein, die durch die Erkrankung deutlich beeinträchtigt waren“. Nur wenige Monate später ereilte Anja ein zweiter Schub: „Ich konnte meinen rechten Arm nicht mehr bewegen und der Neurologe erklärte mir, dass nun eine MS-Therapie erfolgen müsse“. Es wurde daraufhin eine Injektionsbehandlung eingeleitet.

„Die Diagnose hat meine Lebensplanung auf den Kopf gestellt“

Mit der Behandlung und mehr noch mit der Tatsache, an einer MS zu leiden, konnte sich Anja nicht abfinden: „Ich war verzweifelt, weil meine Lebensplanung auf den Kopf gestellt wurde. Ich wollte doch spätestens mit 27 Jahren verheiratet sein und ein Kind haben. Nun grübelte ich, wie mein Leben überhaupt weitergehen würde und ob ich jemals eine Familie würde gründen können“. Ihrem damaligen Freund und jetzigen Ehemann bot Anja an, die Beziehung zu beenden, um ihn nicht mit einer chronisch kranken Frau zu belasten. „Davon wollte er nichts hören und hat ebenso wie meine ganze Familie zu mir gestanden. Das hat mir viel Kraft gegeben“, sagt Anja. Die Belastung der Therapie, die vielen Injektionen und die mit der Behandlung verbundenen Nebenwirkungen machten der jungen Frau zunehmend zu schaffen.

Nach eineinhalb Jahren wurde daher die Therapie umgestellt und Anja erhielt Tabletten gegen die MS: „Die Tabletten habe ich aber auch nicht gut vertragen. Nun quälten mich Magen-Darm-Probleme und es kam weiter zu MS-Schüben“, sagt sie. In der Kernspintomografie zeigten sich zudem weitere neue Herde. Gemeinsam mit ihrem Arzt beratschlagte die junge Frau, wie es weitergehen könne und entschied sich schließlich für eine Impulstherapie. Mit ausschlaggebend war dabei die Möglichkeit, unter dieser Therapie ihren Kinderwunsch realisieren zu können. „Die Behandlung habe ich gut vertragen und seither bin ich frei von weiteren MS-Schüben“, so Anja.

Familienmensch und doch beruflich sehr engagiert

Ihre MS im Griff zu haben, hat ihr wieder Zuversicht und Lebensmut gegeben. Die junge Frau ist inzwischen glücklich verheiratet und hat ein Kind bekommen. „Die Kleine ist jetzt drei Jahre alt und ich habe meine berufliche Tätigkeit wieder aufgenommen“, erzählt Anja. Familie zu haben und dennoch beruflich engagiert zu sein – so hatte sie sich ihr Leben erträumt.

Die MS hat das Leben von Anja verändert: „Ich lebe bewusster und nehme die guten Momente im Leben viel intensiver und dankbarer wahr als vor der Erkrankung“, berichtet die Frau. „Das habe ich der Diagnose MS zu verdanken“. Vor zwei Jahren kaufte die Familie ein Haus. Das Besondere daran ist die steile Treppe, die die beiden Etagen verbindet. „Sie erinnert mich immer wieder einmal daran, dass ich fit bleiben muss und die MS nicht die Oberhand gewinnen darf“. Sorgen macht sich Anja in dieser Hinsicht aber nicht: „Ich führe heute ein ganz normales Leben - beruflich und auch mit meiner Familie. An die MS denke ich nur selten“. Ihr Rezept besteht vielmehr darin, ihr Leben zu genießen: „Ich grübele schon längst nicht mehr darüber, was morgen oder was in fünf Jahren sein wird. Sollte sich die MS zurückmelden, werden wir weitersehen und sicher wieder eine gute Lösung finden“.

Die junge Frau lebt nach eigenen Aussagen unabhängig und mit viel Lebensqualität. Ihre Lebensträume hat sie nie aufgegeben: „Ein zweites Kind ist aktuell in Planung“, sagt sie lächelnd.

MAT-DE-2101382-1.0-06/2021