Zeit zu zweit: Multiple Sklerose in der Partnerschaft

Zeit zu zweit

Es gibt kein allgemein gültiges Rezept, wie man innerhalb einer Partnerschaft mit einer chronischen Erkrankung wie Multiple Sklerose umgeht. Einigen Menschen kann es helfen, sofort neue Pläne zu schmieden und sie in die Tat umzusetzen. Andere müssen erst verstehen, was in ihrem Körper passiert, bevor sie aktiv werden können. Gebt Euch gegenseitig Raum für Eure Bedürfnisse und nehmt Euch so viel Zeit, wie Ihr braucht

Gemeinsamkeiten feiern
Bewahrt Euch bei allen Umstellungen möglichst viel Normalität im Alltag. Das gilt besonders für Eure Zeit zu zweit. Gemeinsam verbrachte Zeit kann zusammenschweißen, Anspannungen abbauen und neue Kräfte freisetzen.

  • Unternehmt gemeinsame Urlaube und Freizeitaktivitäten wie Kino-, Theater oder Museumsbesuche, um zu entspannen.
  • Gemeinsame Hobbys bringen Freude und sind als Gegengewicht für mögliche Umstellungen hilfreich.
  • Sport sorgt für Ausgleich, hält Dich und Deinen Partner fit und lädt die Batterien auf.
  • Spaziergänge und Kurzausflüge können den Kopf auslüften. Genießt das Schöne in Eurer Umgebung und die Bewegung.
  • Auch kleine Freuden wie ein Cafébesuch oder ein Besuch bei Freunden steigern die Lebensqualität.

Nimm Dir Zeit für Dich, für eigene Treffen mit Freunden und für Aktivitäten ohne Deinen Partner oder Deine Familie.

Freiräume bewahren
Zeit für Zweisamkeit zu haben ist unerlässlich. Genauso wichtig ist es, dass Ihr Euch Freiräume bewahrt. Dein Partner fühlt sich möglicherweise verantwortlich für Dein Wohl und das Eurer Familie. Das kann zu einem Gefühl der Überlastung führen. Um das zu verhindern und auch, um Kraft zu tanken und Anspannung abzubauen, ist es hilfreich, dass er sich ab und zu eine Auszeit gönnen kann. Versuche, ihm Zeit für seine Freunde und Bekannten, seine Hobbys oder einen Spaziergang alleine zu geben. Auch eine Selbsthilfegruppe für Angehörige mit MS kann ihm helfen.

Nähe, Zärtlichkeit und Sexualität
In einer Beziehung sind Liebe und gegenseitige Wertschätzung von großer Bedeutung. Ebenso wichtig ist die Sexualität. Leider sind sexuelle Funktionsstörungen bei MS jedoch nicht selten. Es kann sein, dass Du verminderte Lust verspürst, weniger erregbar oder schlichtweg zu müde bist. Daneben können Scheidentrockenheit, Muskelsteifheit und Potenzprobleme sexuelle Aktivitäten ausbremsen. Diese Probleme beeinflussen eine Partnerschaft vor allem dann, wenn nicht offen darüber geredet wird. Sprecht über Eure Wünsche und Sorgen. Gegenseitiges Verständnis und ein liebevoller Umgang sind wichtig. Wendet Euch bei Fragen an einen Arzt, denn für viele Probleme gibt es wirkungsvolle Abhilfemöglichkeiten.

Das Thema Kinderwunsch
Mit einer chronischen Krankheit wie MS ist es wichtig, eine Schwangerschaft zu planen. Überlege genau, wann ein guter Zeitpunkt ist, den Kinderwunsch in die Tat umzusetzen, und sprich frühzeitig mit Deinem Neurologen. Am besten schon, sobald Du eine Schwangerschaft in Betracht ziehst. Eventuell müssen bestimmte MS-Medikamente vorübergehend abgesetzt werden. Eine Familie zu gründen bedeutet nicht nur, ein Kind zu bekommen, sondern auch, im Voraus zu überlegen, wie das Kind betreut werden kann. Dies gilt umso mehr, wenn ein Partner MS hat und in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Da ist ein gutes soziales Netzwerk hilfreich. Frage eventuell andere Menschen mit MS, die sich für ein Kind entschieden haben, nach ihren persönlichen Erfahrungen. Im Austausch mit anderen Betroffenen erhältst Du oft hilfreiche Informationen und praktische Tipps.

Ausführlichere Informationen zu den Themen Sexualität, Partnerschaft und Kinderwunsch findest Du im Kapitel Familienplanung und Kinderwunsch.

GZDE.MS.20.01.0012