Welche Möglichkeiten zur Behandlung gibt es?

Wie kann die MS behandelt werden?

So unterschiedlich die Folgeerscheinungen bei MS sind, so verschieden ist auch die Behandlung der Erkrankung. Die Therapie wird deshalb individuell zugeschnitten. Dabei werden verschiedene Anwendungen wie Physiotherapie, Medikamente oder andere unterstützende Maßnahmen miteinander kombiniert.

Leben heißt Veränderung
Bei der Behandlung der MS ist das oberste Ziel, die Krankheitsaktivität zu erkennen und nachhaltig einzudämmen. Diese zeigt sich meist durch Schübe oder Schädigungen des zentralen Nervensystems, die manchmal erst bei einer Magnetresonanztomografie (MRT) sichtbar werden.

Unser Gehirn ist recht flexibel und kann Beeinträchtigungen lange ausgleichen. Ganz nach dem Motto „Viele Wege führen nach Rom” kann das Gehirn Umleitungen nehmen und beeinträchtigte Nervenstrukturen umgehen. Deshalb fallen Veränderungen im Alltag, die durch die MS verursacht werden, manchmal nicht auf. Das heißt, selbst wenn Du keine Anzeichen oder Symptome an Dir beobachtest, kann die Krankheit aktiv sein und voranschreiten. Deshalb sind regelmäßige Kontroll- untersuchungen sehr wichtig.

Falls Du neue Symptome oder neurologische Störungen an Dir beobachtest, solltest Du das Deinem behandelnden Arzt zeitnah mitteilen, selbst wenn die Veränderungen nur kurzzeitig aufgetreten sind.

Darüber solltest Du Deinen Arzt informieren:

  • Muskelschwäche

  • Störungen in den Bewegungsabläufen

  • Lähmungen

  • Schmerzen

  • Taubheitsgefühle

  • Kribbeln

  • Empfindungsstörungen

  • Sehstörungen

  • Schwindel

  • Zittern

  • Sprachstörungen

  • Schluckstörungen

  • Müdigkeit (Fatigue)

  • Vergesslichkeit

  • Konzentrationsschwierigkeiten

  • Aufmerksamkeitsdefizite

  • Lernschwierigkeiten

Der Zeitpunkt spielt eine wichtige Rolle
Wann Du mit einer Therapie beginnst, kann den Krankheitsverlauf beeinflussen. Denn je später eine wirksame Therapie einsetzt, desto höher ist das Risiko, dass entstandene Einschränkungen bleiben. Wird die Aktivität der MS jedoch schnell und langfristig eingedämmt, besteht die Chance auf einen deutlich günstigeren Krankheitsverlauf.1,2

DIE DREI SÄULEN DER MS-THERAPIE

 
Die 3 Säulen der MS-Therapie

01 Therapie eines akuten Schubes
Bei einem akuten Schub wird meist Kortison über 3 bis 5 Tage verabreicht. Damit soll die Entzündung bekämpft und eine rasche Besserung des Zustandes erreicht werden. Tritt keine rasche Besserung ein, wird gegebenenfalls ein spezielles Blutreinigungsverfahren angewandt, zum Beispiel die Plasmapherese. Dabei wird das Blut des Patienten über spezielle Filter von verschiedenen Bestandteilen gereinigt. Dieses Verfahren ist nur an spezialisierten Zentren möglich und ausschließlich für einen schweren akuten Schub vorgesehen.

02 Therapie der Symptome
Dazu gehören zum Beispiel Präparate zur Schmerzlinderung, gegen Muskelsteifheit oder gegen Blasenstörungen. Diese sollen die Begleiterscheinungen der MS lindern und die Körperfunktionen erhalten. Physio- und ergotherapeutische Anwendungen ergänzen die medikamentöse Therapie der Symptome und dienen dem Erhalt der Beweglichkeit und der Ausdauer. Bewegung, gezielte Übungen, etwas Achtsamkeit oder gesunde Ernährung können ebenfalls dazu beitragen, die Symptome zu mildern. Dabei solltest Du darauf achten, was Dir gut tut und Dich zu nichts zwingen. Stress gilt es zu vermeiden.

03 Langfristige Immuntherapie
Um neue Schübe zu verhindern, die Stärke der Schübe zu mildern und das Fortschreiten der MS aufzuhalten, kommen als dritte Säule sogenannte Immuntherapien zum Einsatz, die den Verlauf der Erkrankung langfristig beeinflussen. Sie sollen die MS da bekämpfen, wo die Entzündungsprozesse entstehen. Langzeitdaten zeigen, dass auch ohne Dauertherapie teilweise eine über Jahre anhaltende Wirksamkeit erreicht werden kann.3

 

Referenzen

  1. Giovannoni G et al. Brain health: time matters in multiple sclerosis. Mult Scler Relat Disord 2016; 9(Suppl. 1): 5–48
  2. Confavreux C et al. Relapses and progression of disability in multiplesclerosis. N Engl J Med 2000; 343(20): 1430–8
  3. Coles AJ et al. Alemtuzumab CARE-MS II 5-year follow-up: Efficacy and safety findings. Neurology 2017; 89(11): 1117–26