Leben im jetzt – Beruf und Karriere mit Multipler Sklerose

Beruf und Karriere mit MS

Wie stark können Symptome wie Fatigue und Konzentrationsschwierigkeiten, Störungen in den Bewegungsabläufen oder Sehstörungen meinen Arbeitsalltag einschränken? Wie gut kann ich mit Stress umgehen? Was soll ich meinen Kollegen sagen und wann? Wie lange werde ich meinen Beruf ausüben können? Menschen mit MS haben viele Fragen, wenn es um ihren Berufsalltag geht.

Die MS hat nicht ohne Grund den Beinamen „Krankheit der 1.000 Gesichter”, denn sie verläuft bei jedem anders. Keiner kann genau vorhersagen, wie sie sich bei Dir entwickeln wird und welche Folgen sie für Dein berufliches Leben haben kann.

Viele Betroffene können lange aktiv am Berufsleben teilnehmen – sogar bis ins Rentenalter. Andere sind stärker von den Auswirkungen der Erkrankung betroffen. Ob und wie weit Du Deine Arbeit weiterhin ausüben kannst, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Neben dem Krankheitsverlauf sind es vor allem die Begleiterscheinungen der MS und die Art Deiner Arbeit, die eine wichtige Rolle spielen. Je nach auftretenden Beschwerden und Umfeld genügt es häufig schon, den Arbeitsablauf etwas anders zu gestalten, um weiter arbeiten zu können.

Hilfsmittel für den Arbeitsalltag
Schon mit einfachen Maßnahmen und kleinen Anpassungen kannst Du Deinen Arbeitsalltag erleichtern und Deine Leistungsfähigkeit steigern. Dazu gehören:

  • ein höhenverstellbarer Schreibtisch
  • ein angepasster Bürostuhl
  • ein arbeitsplatznaher Parkplatz
  • eine optimale Beleuchtung
  • ein großer Bildschirm

Je nach Beruf können andere Hilfsmittel wichtig sein. Häufiges Heben und Tragen lässt sich durch mechanische Hilfsmittel deutlich erleichtern. Wer Maschinen bedienen muss, erhält durch zusätzliche Displays und Bildschirmlupen mehr Sicherheit.

Tipps für Deinen Arbeitgeber
Leider wissen Arbeitgeber oft wenig über mögliche staatliche Förderungen wie Einarbeitungs- oder Lohnzuschüsse sowie Hilfen für die technische Ausstattung des Arbeitsplatzes. Richtet ein Arbeitgeber zum Beispiel einen Arbeitsplatz nach den Erfordernissen der MS ein, kann er möglicherweise Unterstützung beantragen. Das Integrationsamt, der Integrationsfachdienst oder die Agentur für Arbeit halten dafür Geld und Know-how bereit.

Du solltest die Grenzen Deiner Leistungsfähigkeit respektieren und bei Bedarf Alternativen suchen. Vielleicht ist es möglich, in eine andere Abteilung zu wechseln? Manchmal lohnt es sich, über eine Arbeitszeitverkürzung nachzudenken. Eventuell können Weiterbildungen oder Umschulungen Dir ein erfülltes Arbeitsleben erhalten.

Ein Neustart – Umschulungen und Co.
Solltest Du Deinen Job nicht mehr wie gewohnt ausüben können, kann eine sogenannte „Leistung zur Teilhabe am Arbeitsplatz” (LTA) Deine berufliche Laufbahn verlängern. Anspruch auf eine LTA-Maßnahme hast Du, wenn:

  • Dein Job aufgrund Deiner Erkrankung gefährdet ist und die Maßnahme nötig ist, damit Du Deinen Beruf weiter ausüben kannst oder
  • die Maßnahme voraussichtlich dazu führen wird, dass der Job Dir erhalten bleibt bzw. dass Du wieder arbeiten kannst.

Wer die Kosten trägt, ist von Fall zu Fall und von Maßnahme zu Maßnahme unterschiedlich. Meist handelt es sich bei den Trägern um die Rentenversicherung, Integrationsämter oder die Agentur für Arbeit. Bei den gemeinsamen Servicestellen für Rehabilitation kannst Du erfragen, wer für Dich zuständig ist. Diese sind zentrale Anlaufstellen für alle Antragsteller: www.reha-servicestellen.de

Bleib dran!
Der Weg zu einer LTA ist manchmal steinig. Du solltest Dich von etwas bürokratischem Aufwand nicht abschrecken lassen. Die Servicestellen helfen Dir dabei, Anträge zu stellen. Auch ein Gespräch mit anderen Betroffenen kann Hilfe bieten.

Das solltest Du bei einer Bewerbung beachten
Falls Du auf Jobsuche bist, kennst Du wahrscheinlich das Dilemma: Soll ich im Verlauf der Bewerbung die MS erwähnen? Grundsätzlich gilt: Der Arbeitgeber muss nicht informiert werden. Es gibt jedoch Ausnahmen. Du musst Deine Erkrankung bei einem Bewerbungsgespräch angeben, …

  • wenn mit häufigen Fehlzeiten zu rechnen ist.
  • wenn Du Deine Arbeit zum vorgesehenen Termin nicht aufnehmen kannst, zum Beispiel aufgrund eines Schubes oder einer geplanten Reha.
  • falls Du bereits im Vorfeld weißt, dass Du Deinen Beruf aufgrund der MS nicht in vollem Umfang ausüben kannst.
  • wenn Du andere Menschen gefährden könntest.

Adressen und hilfreiche Infos
Integrationsämter, Rentenversicherung oder auch die Agentur für Arbeit helfen Dir bei vielen Themen weiter. In großen Unternehmen setzen sich Integrationsteams, Vertrauenspersonen, der Betriebsrat oder der Betriebsarzt für Menschen mit chronischen Erkrankungen ein.

Die Beratungsstellen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) können Dir ebenfalls bei der Karriereplanung helfen und Dich zu sozialrechtlichen Themen beraten: www.dmsg.de

Hilfestellung bieten auch viele Landesverbände der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft: In gezielten Jobcoachings unterstützen die Mitarbeiter Dich bei Fragen rund um das Arbeitsleben bei MS: www.dmsg.de/dmsg-bundesverband/landesverbaende

GZDE.MS.20.01.0012