Kein Witz – Lachen ist gesund!

Lachen ist gesund

Das Leben mit Multipler Sklerose stellt Betroffene vor viele Herausforderungen. Dabei können oft ganz einfache Dinge helfen, eine positivere Sicht auf das eigene Leben zu entwickeln. Zum Beispiel mehr lachen. Im folgenden Artikel geht es nicht darum, Probleme und Herausforderungen einfach wegzulächeln. Heitere Gelassenheit kann jedoch helfen, dem Alltag mehr Freude abzugewinnen und Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Je schwieriger die Zeiten, umso wertvoller wird lebensfrohe Gelassenheit.

Einige Menschen betreiben ernsthafte Lachforschung, sogenannte Gelotologie. Dabei ist die Erforschung des Lachens gar nicht so einfach. Zur Untersuchung der Vorgänge im Gehirn ist meist eine Magnetresonanztomografie notwendig. Dabei liegen die Testpersonen in einer engen Röhre und müssen stillhalten. Das ist jedoch gerade beim Lachen äußerst schwierig.

Außerdem finden nicht alle Menschen dasselbe lustig. Das macht eine wichtige Voraussetzung von fundierten Studien schwierig: die Vergleichbarkeit der Untersuchungsbedingungen und damit auch der Ergebnisse. Trotz dieser Herausforderungen wurde viel zum Thema Lachen geforscht und wir haben einige interessante Erkenntnisse zusammengestellt.

Lachen hat viele Gesichter

Lachen kann man in vielen Abstufungen – vom dezenten Lächeln bis zum explosionsartigen Prusten. Dabei ist Gelächter aus reiner Freude nur eine Form des Lachens. Menschen lachen aus Erleichterung, wenn sie nervös sind oder Angst haben, um einen Gesprächspartner zu bestätigen oder einem Redner zu versichern, dass man zuhört, und teilweise sogar aus Gehässigkeit.

Der Lachforscher Robert R. Provine hat lachende Menschen beobachtet. Er stellte fest, dass Sprecher anderthalbmal so oft lachten wie ihre Zuhörer. In Gesellschaft wurde 30-mal mehr gelacht als allein. Frauen lachten mehr als Männer und Arbeitnehmer öfter als Chefs. Lachen ist also nicht immer Ausdruck purer Freude, es wird als wichtige Form der Kommunikation mit unterschiedlicher Absicht genutzt.1

Lachen ist eine Sprache, die wir alle sprechen. Und alle verstehen.

Um verschiedene Formen des menschlichen Lachens zu untersuchen, nahmen Forscher der Universität Tübingen und der University of Newcastle vier verschiedene Arten von Lachen auf, das sie von Schauspielern spielen ließen: Freude, Kitzeln, Spott und Schadenfreude. Versuchspersonen, denen sie diese Lachproben vorspielten, konnten die Art des Lachens allein durch das Anhören der Aufnahmen erkennen. Das deutet darauf hin, dass menschliche Gefühle durch Lachen kommuniziert werden können.2

Lachen ist gesund

Rein körperlich betrachtet ist Lachen ein Reflex, der durch bestimmte Gesichtsausdrücke und einen individuellen Stimmklang gekennzeichnet ist. Anders als viele andere reflexartige Reaktionen des Körpers kann man das Lachen jedoch zurückhalten – allerdings nur manchmal.

1. Lachen beeinflusst den ganzen Körper

Beim Lachen presst die Zwischenrippenmuskulatur und vor allem das Zwerchfell die Luft mit Druck durch die Luftröhre und die Stimmritze, wo das typische „Haha“ entsteht. Die Atmung selbst ist beim Lachen tiefer, sodass die Lungen bis in die letzte Ecke mit Sauerstoff versorgt werden. Blutdruck und Herzfrequenz steigen an, sodass dieser Extra-Sauerstoff gleich in den Körper verteilt wird.Beim Lachen sind außerdem etliche Muskeln im ganzen Körper aktiv. Wir werfen den Kopf vor und zurück, schütteln und krümmen uns vor Lachen und halten uns den Bauch. Dass ausgiebiges Gelächter körperlich anstrengend ist, kann man nach einem heftigen Lachanfall richtig spüren: vor allem in den Bauchmuskeln, in denen sich nach intensivem Gelächter sogar manchmal ein Muskelkater zeigt.

 

2. Lachen entstresst4

Schon 1989 wollten Wissenschaftler wissen, welche Auswirkungen Lachen auf den Stresslevel hat. Dazu untersuchten sie den Spiegel bestimmter Stresshormone wie Kortison und Adrenalin im Blut von Testpersonen vor und nachdem diese 60 Minuten lang humorvolle Videos angesehen hatten. Das Ergebnis: Die Stresshormone waren deutlich gesunken. Langfristig entspannt Lachen sogar die Blutgefäße. Lachen wirkt damit Stress entgegen und könnte sogar das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken.

 

3. Lachen macht glücklich

Eine neuere Studie von finnischen und britischen Forschern konnte zeigen, dass nach lustigen Videoclips und ausgelassenem Gelächter das körpereigene Opioid-System aktiviert wird. Die Substanzen, die dabei ausgeschüttet werden, fördern gute Laune und innere Ruhe.5

 

4. Lachen verändert die Schmerzwahrnehmung

Beim Lachen werden auch Endorphine ausgeschüttet. Sie sind unter anderem für die Wahrnehmung von Schmerzen zuständig. Deshalb testeten Forscher, ob sich die Schmerzschwelle durch Lachen verändern lässt. Und tatsächlich konnten sie zeigen, dass die Schmerzgrenze ihrer Testpersonen anstieg, nachdem diese sich für 30 Minuten mit engen Freunden witzige Clips angesehen hatten.6

 

5. Lachen als Therapie

Da Lachen viele positive Effekte hat, wird es zunehmend auch in der Therapie eingesetzt – meist als begleitende Maßnahme. Nachdem Forscher der Universität Leeds mehrere Studien zu Lachtherapien analysierten, konnten sie bestätigen, dass diese zum Beispiel bei Depressionen durchaus wirksam sind. Für angstlösende und stressmindernde Effekte gab es erste Hinweise auf Therapieerfolge.7

 

Möchtest Du mehr lachen?

Ein bisschen mehr Freude in Dein Leben zu bringen ist gar nicht so schwer. Such Dir dazu bewusst Situationen, die Dich zum Lachen oder Lächeln bringen. Lies humorvolle Bücher oder höre lustige Podcasts. Greif bei der Filmauswahl zu einer Komödie statt zu einem Drama. Oder praktiziere Lach-Yoga. Ja, das existiert wirklich und in vielen Städten gibt es Angebote für diese Form der angeleiteten Heiterkeit.

 

Wir lachen mehr in Gesellschaft. Sich mit Freunden zu treffen und ausgelassen zu plaudern, egal ob live oder per Videokonferenz, erhöht also auch die Chancen, dass Dich etwas zum Lachen bringt. Auch viele Gesellschaftsspiele sind so ausgelegt, dass man sich dabei köstlich amüsiert. Einige Spiele kann man sogar gemeinsam online spielen. Wer es eher sportlich mag, kann mit Sportspielen Freude in sein Leben bringen.

 

Beim Basteln, Heimwerken, Gärtnern oder anderen handfesten Beschäftigungen kann das Ergebnis unserer Bemühungen ein Lächeln in unser Gesicht zaubern. Und wenn nichts anderes möglich ist – lustige Katzen- oder Hundevideos funktionieren eigentlich immer. ;-)

 

Gib dem Lachen mehr Raum in Deinem Alltag. Und wenn es nur ein kurzer Moment ist. Nutze jeden Augenblick der Unbeschwertheit, lächle vor Dich hin oder trau Dich ruhig mal, laut loszulachen, wenn Du etwas Lustiges siehst oder hörst. Vielleicht werden Dich andere Menschen verwundert ansehen, aber oft genug lachen sie einfach mit. Denn Lachen ist ansteckend.

 

Genieße jeden heiteren Augenblick und koste ihn aus, bevor Du Dich wieder dem Alltag zuwendest.

 

 

Quellen:
1 Provine R. Laughter: A Scientific Investigation. Viking-Verlag, 2000
2 Szameitat DP, et al. Emotion. 2009;9(3):397–405. doi:10.1037/a0015692
3 Boone T et al. Appl Nurs Res. 2000;13 (4):204-208
4 Berk LS, et al. Am J Med Sci. 1989;298(6):390–396. doi:10.1097/00000441-198912000-00006
5 Manninen S, et al. J Neurosci. 2017;37(25):6125–6131. doi:10.1523/JNEUROSCI.0688-16.2017
6 Dunbar RI, Baron R, Frangou A, et al. Proc Biol Sci. 2012;279(1731):1161–1167. doi:10.1098/rspb.2011.1373
7 van der Wal CN, Kok RN. Soc Sci Med. 2019;232:473–488. doi:10.1016/j.socscimed.2019.02.018