Für Angehörige – Was tun in schweren Phasen?

Frau und Mutter am Tisch

MS ist nicht gleich MS und auch die Tage im Leben eines Menschen sind nicht alle gleich. Jeder neue Tag stellt auch eine neue Herausforderung dar. Es kommen wahrscheinlich auch schwere Phasen auf Euch zu, zum Beispiel während eines MS-Schubes oder falls aufgrund der Erkrankung der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann und finanzielle Sorgen hinzukommen. Wie kannst Du als Partner, Verwandter oder Freund helfen?

In solchen Situationen ist man oft unschlüssig und manchmal auch ängstlich. Du fragst Dich vielleicht, ob Du den Menschen mit MS besser in Ruhe lässt oder ob Du aktiv auf ihn zugehen sollst. Jetzt ist es wichtig, dass Du Stärke zeigst und herausfindest, was der Mensch mit MS genau braucht. Was hilft ihm, sich besser zu fühlen? Gehe dabei sehr behutsam vor, da Dein Angehöriger deprimiert, verunsichert und manchmal auch wütend sein kann. Eine intensive und offene Kommunikation ist in besonders schweren Phasen ein wichtiger Schlüssel für die Bewältigung möglicher Probleme.

ACHTSAMKEITS REGELN DER KOMMUNIKATION
Manchmal findet man in einem Gespräch einfach nicht die passenden Worte oder den richtigen Ton. Deshalb haben wir ein paar allgemeine Tipps zusammengestellt, die Dir im Austausch mit Deinem Angehörigen helfen können.

  • Reden ist Silber, Zuhören Gold. Du kannst Deinem Angehörigen oft schon mit Zuhören helfen. Damit gibst Du ihm Raum zum Reden. Durch Zuhören und Nachfragen zeigst Du auf einfache Weise Dein Interesse und Deine Wertschätzung.
  • Gehe auf Dein Gegenüber ein. In einem offenen Dialog sollten die Gesprächspartner gleichberechtigt sein. Deshalb hilft es, sich auch mal selbst zu beobachten. Fällst Du Deinem Gegenüber gerne ins Wort, solltest Du lernen, Dich in Geduld zu üben. Bist Du eher zurückhaltend, kann es nicht schaden, Dir hin und wieder mehr Raum zu nehmen.
  • Vorbereitung kann hilfreich sein. Steht Dir ein schwieriges Gespräch bevor, solltest Du vorher überlegen, was Du damit erreichen willst. Sobald das klar ist, kann etwas Vorbereitung nicht schaden. Schreibe Dir Fragen auf oder mache Dir Notizen. Scheue Dich nicht, diese mit in das Gespräch mitzunehmen. Das zeigt Deinem Gegenüber, wie wichtig Dir der Austausch ist.
  • Achtung Gesprächsbremse: Wer kennt sie nicht, die Sätze, die mit „Weil Du immer …” oder „Nie kannst Du …” beginnen? Sie ersticken jede Motivation des Gesprächspartners im Keim. Versuche es doch mal mit: „Es würde mir helfen, wenn Du …”.
  • „Aber” – ein Wort mit Risiken und Nebenwirkungen. „Ja, aber …” ist nur eine scheinbare Zustimmung. Damit gerät ein Dialog schnell in eine Sackgasse und nichts geht mehr. Wie wäre es mit einem „Ja, und …”?
  • „Nein” zu sagen ist nicht immer einfach. Doch ein klares, höfliches „Nein” bringt Dich oft weiter, als wenn Du aus Sorge, unfreundlich zu erscheinen, nichts sagst. Lasse Dir keine Schuldgefühle einreden und lade Dir auch selbst keine auf

Von Angehörigen zu Angehörigen
Sich auszutauschen ist nicht nur für die Unterstützung des Betroffenen wichtig. Auch der Austausch zwischen Angehörigen kann hilfreich sein. Redet als Freunde, Partner oder Familie miteinander. Es hilft, sich mit Menschen auszutauschen, die in einer ähnlichen Situation sind wie Du selbst. Sie können Deine Sichtweise leichter nachvollziehen und Ihr könnt Tipps und Ratschläge austauschen.

Professionelle Hilfe kann entlasten
Sprich offen mit Deinem Partner, wenn Du an Deine Grenzen stößt. Überlegt gemeinsam, ob die Unterstützung durch Organisationen wie die Caritas und profamilia, MS-Ambulanzen, Babysitterdienste oder Psychologen sinnvoll sein könnte. Ein umfangreiches Dienstleistungsangebot für Menschen mit MS und ihre Familien sowie Adressen von Selbsthilfegruppen in Deiner Nähe bietet die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft an: www.dmsg.de

Eine speziell ausgebildete MS-Nurse kann eine wichtige Bezugsperson für Menschen mit MS sein. Sie kann aber auch für Dich als Angehörigen eine Stütze sein. In der Anfangsphase kann sie euch wichtige Informationen geben und komplexe Zusammenhänge erklären, und sie kann Vermittler, Vertrauensperson sowie Fürsprecher sein.

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