Für Angehörige – Multiple Sklerose in der Partnerschaft

Multiple Sklerose in der Partnerschaft

In einer Partnerschaft ist es wichtig, dass Ihr Euch Zeit und Raum für die Anpassung an die neue Situation gebt. Bewahrt trotz aller Umstellungen möglichst viel Normalität im Alltag, sowohl für die Zeit zu zweit als auch für Familie und Freunde.

Die Zeit zu zweit
Zeit für Zweisamkeit zu haben ist unerlässlich. Haltet so weit wie möglich an gemeinsamen Aktivitäten fest und überlegt, ob Ihr miteinander etwas Neues ausprobieren wollt. Nutzt beschwerdefreie Zeiten für Dinge, die Euch Freude machen und Kraft geben. Gemeinsam verbrachte Zeit kann zusammenschweißen, Anspannungen abbauen und neue Kräfte freisetzen:

  • Unternehmt gemeinsame Urlaube und Freizeitaktivitäten wie Kino, Theater oder Museumsbesuche, um zu entspannen. Auch kleine Freuden wie ein Cafébesuch oder ein Treffen mit Freunden steigern die Lebensqualität!
  • Gemeinsame Hobbys bringen Freude und sind als Gegengewicht für mögliche Umstellungen hilfreich.
  • Spaziergänge und Kurzausflüge können den Kopf auslüften. Achtet auf das Schöne in Eurer Umgebung und genießt die Bewegung.

Nähe, Zärtlichkeit und Sexualität
In einer Beziehung sind Liebe und gegenseitige Wertschätzung von großer Bedeutung. Ebenso wichtig ist die Sexualität. Als Paar habt Ihr vielleicht Angst vor einer gesundheitlichen Beeinträchtigung, wenn Ihr sexuell aktiv seid. Die gute Nachricht ist: Sexuell aktiv zu sein hat keine negativen Auswirkungen auf die MS. Leider sind sexuelle Funktionsstörungen bei MS jedoch nicht selten. Es kann sein, dass Dein Partner verminderte Lust verspürt, weniger erregbar oder schlichtweg zu müde ist. Daneben können Scheidentrockenheit, Muskelsteifheit und Potenzprobleme sexuelle Aktivitäten ausbremsen.

Sexuelle Funktionsstörungen können verschiedene Ursachen haben:

  • MS-bedingte Nervenschäden können die Weiterleitung von sexuellen Reizen stören. Dann kann die Lust auf Sexualität (Libido) nachlassen.
  • Einige typische MS-Symptome können einen Einfluss auf das Sexualleben haben. Dazu gehören Muskelschwäche, Spastiken, Schmerzen, Blasen- und Darmstörungen, Fatigue oder Depressionen.
  • Psychosoziale Belastungen wie Zukunftsängste und Schamgefühle
  • Auch Nebenwirkungen von Medikamenten wie Blutdruck- und Lipidsenkern, Beruhigungsmitteln, Antidepressiva, Antispastika und Östrogenen, die zur Behandlung von einzelnen MS-Symptomen eingesetzt werden, können einen Einfluss auf das Sexualleben haben.

Diese Herausforderungen beeinflussen eine Partnerschaft vor allem dann, wenn nicht offen darüber geredet wird. Sprecht über Eure Wünsche und Sorgen. Gegenseitiges Verständnis und ein liebevoller Umgang miteinander sind wichtig. Wendet Euch bei Fragen auch an einen Arzt, denn für viele Probleme gibt es einfache Abhilfemaßnahmen.

Das Thema Kinderwunsch
Bei diesem Thema ist Planung wichtig. Sprecht frühzeitig mit einem Arzt, am besten schon, bevor Ihr eine Schwangerschaft plant. Eventuell müssen bestimmte MS-Medikamente vorübergehend abgesetzt werden.

Ausführliche Informationen zum Thema Kinderwunsch findest du im Artikel „Kinderwunsch mit Multiple Sklerose – eine Schwangerschaft planen“

Wie sagen wir es unserem Kind?
Wenn Ihr bereits Kinder habt, ist es wichtig, sie in die neue Situation einzubeziehen. Heimlichtuerei spüren sie meist – das schürt unnötig Ängste. Klärt Eure Kinder deshalb einfühlsam über die Erkrankung auf.

Wie sagen wir es unserem Kind?
Wenn Ihr bereits Kinder habt, ist es wichtig, sie in die neue Situation einzubeziehen. Heimlichtuerei spüren sie meist – das schürt unnötig Ängste. Klärt Eure Kinder deshalb einfühlsam über die Erkrankung auf.

  • Nehmt Euch Zeit für das Gespräch.
  • Schafft eine ruhige und lockere Atmosphäre für das Gespräch und versucht eine positive und beruhigende Haltung auszustrahlen.
  • Ihr solltet gut über die MS informiert sein, denn Eure Kinder werden Euch vielleicht mit Fragen „löchern”.
  • Versucht, Fragen einfach und vor allem eindeutig zu beantworten.
  • Achtet darauf, Eure Kinder nicht mit zu viel Information zu überfordern.

Auf Einschränkungen reagieren Kinder möglicherweise mit Traurigkeit und Zorn. Plant deshalb weiterhin gemeinsame Freizeitaktivitäten und führt den Familienalltag so normal wie möglich weiter. Das ist vor allem wichtig, wenn Dein Partner viel Platz in Deinem Leben einnimmt, sodass Du vielleicht weniger Zeit für Eure Kinder hast. Auch ein gutes soziales Netzwerk, das Euch als Paar entlastet und so Freiräume schafft, kann hilfreich sein.

Daran solltet Ihr denken

  • Vor allem kleinere Kinder bekommen leicht Angst und denken, dass Dein Partner mit MS bald sterben wird. Oder sie denken, dass sie nun auch erkranken werden. Lasst solche Missverständnisse nicht aufkommen und erklärt in möglichst einfacher Sprache, was die Krankheit für Euer Familienleben bedeuten kann.  
  • Kinder können auch Schuldgefühle entwickeln und denken, dass sie an der Krankheit schuld sind. Solche Ängste solltet Ihr zerstreuen. Erklärt in leicht verständlichen Sätzen, wie die Erkrankung entstehen kann und dass niemand daran schuld ist.
  • Ältere Kinder und Jugendliche übernehmen manchmal die Elternfunktion für den Betroffenen. Seid deshalb vorsichtig und überfordert Eure Kinder nicht mit Aufgaben oder belastet sie nicht mit Sorgen und Ängsten. Eure Kinder sollen nicht unnötig eigene Bedürfnisse zurückstellen müssen.
GZDE.MS.20.01.0012