Fake News und Dr. Google – was wir über Wissen aus dem Internet wissen sollten

Fake News - Falsche Nachrichten

Fake News und Alternative Facts sind keine Erfindung eines US-amerikanischen Ex-Präsidenten, auch wenn die Begriffe durch ihn und seine Twitter-Tiraden weltberühmt wurden. Falschinformationen und Gerüchte gab es schon immer. Doch erst mit der rasanten Verbreitung des Internets und der sozialen Medien haben diese „gefälschten Nachrichten“ massiv an Einfluss gewonnen – auch im medizinischen Bereich. Und das kann durchaus gefährlich werden.

Dr. Google als Doktor?

Heute kennen wir alle das Phänomen: Neueste Meldungen, Daten und Fakten sind für uns sehr leicht zugänglich. Mit wenigen Klicks informiert man sich im Internet und glaubt, so die richtige Antwort auf eine Frage oder die Lösung eines Problems gefunden zu haben. Auch bei medizinischen Fragen ziehen wir manchmal eine schnelle Google-Suche einem Arztbesuch oder Expertengespräch vor.

Eine Entwicklung, die nicht ohne Risiken ist. Der US-amerikanische Kardiologe Dr. Haider Warraich warnte bereits im Dezember 2018 die Leser der „New York Times“ mit eindringlichen Worten. Unter dem Titel „Dr. Google ist ein Lügner“ erklärte er: „Fake News gefährden Amerikas Demokratie. Fake Medical News gefährden Leben.“1

Um seine Kritik zu verstehen, müssen wir einen Moment in die Logik von Suchmaschinen wie Google eintauchen. Der Algorithmus, mit dem Googles Universalindex arbeitet, hat momentan (Stand März 2021) um die 54 Billionen Internetseiten erfasst, die nach der Anzahl von Verweisen durch andere Seiten gewichtet sind. Oder einfacher gesagt: Stellen Sie sich einen Buchladen vor, in dem immer genau die Bücher im Schaufenster stehen, die bereits von vielen Kunden empfohlen oder gekauft wurden.

Das Problem ist offensichtlich: Seltene Buchtitel beziehungsweise Informationen, etwa zu ungewöhnlichen Krankheitsbildern, gehen in der Masse unter, weil sie erst viel weiter hinten zu finden sind. Auch ohne bewusst gestreute Falschinformationen wird hier schon die reine Masse an Informationen zum Problem, wenn man konkrete Antworten zu ganz speziellen Gesundheitsthemen oder Erkrankungen sucht – die sprichwörtliche Nadel ist im Heuhaufen Google eben schwer zu finden.2

Und was vielen Menschen oft nicht bewusst ist: Die Suchergebnisse, die Google anzeigt, richten sich auch nach den vom Nutzer besonders häufig gesuchten Begriffen – wer also nach Verschwörungstheorien sucht, bekommt schnell immer mehr Seiten zu diesem Thema weit oben in der Liste der Ergebnisse angezeigt. Es lohnt sich also auch nach anderen Begriffen zu suchen oder sich Seiten anzuschauen, die man nicht regelmäßig besucht.

Es muss nicht immer Google sein. Es gibt eine Vielzahl an Suchmaschinen, die Du ebenfalls zur Internetsuche nutzen kannst.

Corona – die Gerüchteküche brodelt im Netz

Zurzeit machen sich viele Menschen Gedanken, wie unsere Gesellschaft mit der Corona-Pandemie umgehen sollte. Verständlich, angesichts von immer neuen Diskussionen um Infektionszahlen, Lockdown-Maßnahmen und einer großen Ungewissheit, wie sich das Virus möglicherweise verändern wird.

Leider ist diese Situation auch der perfekte Nährboden für Fake News in den sozialen Medien. Dabei reichen die Gerüchte und Fehlinformationen von WhatsApp-Kettenbriefen, die bestimmte Medikamente für die Verbreitung von COVID-19 verantwortlich machten, bis hin zu wirren Thesen über Macht und Einfluss eines Bill Gates.

Doch nicht jede Information, die zu Themen wie COVID-19 im Internet kursiert, lässt sich leicht widerlegen oder auf eine sichere Quelle zurückführen.

Nicht immer steckt böse Absicht dahinter

Der Unterschied zwischen einer fehlerhaften Meldung und Fake News ist: Bei einer fehlerhaften Berichterstattung steckt oft keine böse Absicht dahinter, sondern ein schlichtes Versehen, menschliches Versagen oder ein Übertragungsfehler. Ein Phänomen, dass Du vielleicht noch aus Deiner Kindheit kennst. Damals nannte man das „Stille Post“. Das Spiel hat den Effekt genutzt, dass auf dem Weg vom Absender zum Empfänger einer Nachricht Inhalte verloren gehen können oder unabsichtlich verändert werden.

Seriöse Quellen stellen solche fehlerhaften Meldungen im Nachgang richtig oder gleichen ihre Aussagen mit neuen Erkenntnissen und wissenschaftlichen Daten ab und passen die Informationen an.

4 Tipps, die dabei helfen können, Fake News zu erkennen

 

1. Die Frage nach der Quelle

Kennst Du die Quelle, aus der Deine Informationen stammen? Oft basieren Fake News auf diffusen Quellenangeben wie dem Hinweis „Aus dem Internet“. Oder die angeblichen Quellen entpuppen sich bei einer Online-Recherche als unseriöse Verschwörungsportale, in denen auch gerne mal die Erde zu einer Scheibe gemacht wird.

Gerade bei medizinischen Quellen lohnt sich oft ein zweiter Blick: Ist ein selbst ernannter „Experte“ wirklich Fachmann auf dem besprochenen Gebiet und verfügt er über eine entsprechende Ausbildung? Wo wurden seine Theorien publiziert? In einem seriösen Fachmedium? Oder in der Boulevardpresse? Verfolgt der Verfasser einer Meldung politische oder persönliche Interessen? Hier kann Dir eine Internetsuche nach Informationen zur Person helfen. Sie zeigt Dir schnell, ob auch andere die Quelle als seriös einschätzen.

2. Die Frage nach den Fakten

Es gibt verschiedene Portale und Online-Angebote, die Dir helfen, Fakten zu überprüfen. Dazu gehören etwa der „Faktenfinder“ der ARD oder der „Faktenfuchs“ des Bayerischen Rundfunks. Auch das Recherchekollektiv „Correctiv“ setzt sich regelmäßig kritisch mit Verschwörungsmythen und Falschinformationen in der digitalen Welt auseinander.

Auch die eigene Recherche nach den verwendeten Quellen der Autoren kann gerade bei medizinischen Fragen wichtig sein: Wer die Quelle einer wissenschaftlichen Studie prüft oder angegebene Zahlen kontrolliert, kann auf so manche Überraschung stoßen. Es ist schon vorgekommen, dass aus Studien nur die Ergebnisse zitiert wurden, die ins eigene Weltbild passen, oder Statistiken nur in Ausschnitten gezeigt werden, die nicht alle Fakten berücksichtigen.

 

Besonders kritisch sollte man Inhalten gegenüberstehen, die sensationell oder sogar schockierend sind. Klar gibt es auch immer wieder aufsehenerregende News, aber nicht selten werden Fakten verzerrt dargestellt, um sie spektakulärer erscheinen zu lassen. In solchen Fällen ist es sinnvoll, Folgendes zu überprüfen: Gibt es weitere Quellen oder Experten, die die Information bestätigen und mit konkreten Fakten belegen? Oder handelt es sich bei der Information um eine persönliche Anekdote? Gibt es eine Vielzahl bestätigter Fälle? Auch hier kann Dir eine kritische Recherche Aufschluss bringen.

 

3. Die Frage nach den Bildquellen

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ behauptet ein altes Sprichwort. Doch was, wenn die Bilder aus dem Zusammenhang gerissen sind oder etwas anderes zeigen als behauptet? Hier kannst Du die Bildersuche von Google nutzen und sie einfach umkehren für Deine Zwecke: Einfach ein Bild hochladen und schon kannst Du sehen, aus welcher Quelle es wirklich stammt.

Gerade bei Themen wie Corona kursieren inzwischen zahlreiche Videos mit sogenannten Impfkritiken, bei denen nicht sicher ist, ob sie wirklich Impfreaktionen zeigen. Hier lohnt sich eine Überprüfung der Quellen, um Falschinformationen frühzeitig zu erkennen.

4. Die Frage nach dem Sinn

Grundsätzlich gilt: Oft hilft schon der gesunde Menschenverstand weiter. Gibt es tatsächlich einen Zusammenhang der dargestellten Fakten? Prüfe doch einmal, von wann die Meldung oder wie alt eine Quelle ist. Sind das wirklich neue Erkenntnisse? Oder werden nur alte Informationen neu aufgewärmt und passend interpretiert? Und was sagen seriöse Experten zu dem Thema? Im Zweifelsfall solltest Du lieber persönlich mit einem Mediziner sprechen als gutgläubig dem Netz zu vertrauen.5

Fake News und MS

Auch für Menschen mit MS gibt es viele Fragen auch angesichts der Corona-Pandemie. Soll man sich impfen lassen? Oder lieber nicht? Hier gilt wie bei allen medizinischen Fragen: Im Zweifelsfall sprich lieber mit Menschen, denen Du vertraust, etwa mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin. Und informiere Dich bei seriösen Quellen, die Du kennst. Fake News aus dem Internet können Dich nicht nur in die Irre führen, sie verunsichern auch viele Menschen und sorgen so für noch mehr Stress in onehin schon schwierigen Zeiten.

Am Ende geht es dabei vor allem um Vertrauen. So wie Du einer seriösen Quelle eher vertraust als einem anonymen Urheber im weltweiten Internet, so solltest Du auch bei allen Fragen zu MS und allgemeinen Gesundheitsthemen Gesprächspartner wählen, denen Du vertrauen kannst. Denn nur so lassen sich Fakten sicher von Fiktionen trennen.

Quellen
1 „Dr. Google is a Liar“, Dr. Haider Warraich, New York Times, 16.12.2018
2 Vgl. auch „Gefahr durch Fake Medical News“, Dr. Thomas Meißner, aerztezeitung.de, 13.05.2019
3 Vgl. auch „Die Pandemie der Fake News“, aerzteblatt.de, 16.03.2020
4 https://www.bvask.de/aktuelles/articles/fake-news-in-der-medizin-fatale-folgen-fuer-patienten.html
5 Vgl. auch https://www.politische-bildung.nrw.de/digitale-medien/digitale-demokratiekompetenz/fake-news-erkennen#c3491
MAT-DE-2101434_v.01(032021)