Einblick-Team

Maren – Beruf & Karriere mit Multipler Sklerose | 1000 Gesichter #30

Vor zweieinhalb Jahren hat sich Maren bei uns für eine der ersten „Perspektivwechsel“-Folgen gemeldet. Thema: „MS und Beruf“. Denn schon damals war es ihr ein Anliegen, ihre Einstellung dazu mit der Welt zu teilen.

Es ist viel passiert zwischen damals und heute, aber Marens Kampfgeist und Willensstärke sind ungebrochen. Und damit auch ihre Arbeitsmotivation. Sie war damals mit dem „Grad der Behinderung 70“ eingestuft und hätte sich ohne Problem berenten lassen können, was sie aber auf keinen Fall tun wollte.

Ein paar Schübe später ist dieser Grad jetzt sogar auf 90 gestiegen – und trotzdem möchte Maren unbedingt weiter arbeiten. Und nicht nur das. Sie nimmt auch so wenig es nur geht Hilfsmittel zur Fortbewegung in Anspruch. Der Grund: Sie sagt, wenn sie es sich erstmal bequem mache, werde der MS-Verlauf nur noch schneller vonstattengehen.

Gestatten: Nino

Wir treffen Maren zunächst an ihrem Arbeitsplatz, wo sie uns ihren schnittigen „Nino“ vorstellt, ein Segway zum Sitzen. Den nutzt sie vor allem, um längere Strecken zwischen Meetings in unterschiedlichen Gebäuden zurückzulegen. In der unmittelbaren Umgebung ihres Büros ist sie mit Nordic-Walking-Stöcken unterwegs. Den Weg zwischen Haus und Büro fährt sie ganz normal mit dem Auto.

Die vergangene Sportlerkarriere von Maren ist immer noch zu spüren. Auch wenn sie nun eine Einschränkung durch die MS hat, versprüht sie diesen Vibe. Die sportliche Kleidung, der signierte Handball im Regal, dieses Feuer in ihren Augen, als sie uns ihren Nino im Vollspeed vorführen darf. Und auch die Tränen, die ganz kurz in ihren Augen brennen, als wir im Interview über die Handballkarriere sprechen.

Nachdem wir einen von Marens Mittagspauseplätzen am Rhein kennenlernen durften, nimmt sie uns mit zu ihrer Familie: zu ihrem Mann und ihren beiden Töchtern Leni und Lisa. Die beiden freuen sich bereits auf uns und beäugen neugierig die Kameratechnik, als wir im Wohnzimmer aufbauen.

Zähne zusammenbeißen

Am nächsten Morgen steht Physiotherapie auf dem Plan. Und wieder sind Marens Ehrgeiz und Willenskraft zu spüren. Sie „beißt“ bei jeder Übung. Im späteren Gespräch verrät sie mir, dass sie nicht zu denen gehört, die sich nur einen Stillstand der MS herbeiwünschen oder ausschließlich die Verschlechterungen sehen. Sie ist sich sicher, dass es auch Verbesserungen geben kann und wird. Und mit ihrem Auge hat sie das sogar schon erlebt.

Natürlich ist da auch noch die andere Maren. Die sich ein wenig einmauert und nach außen hin stark ist, um die anderen nicht zu belasten. Vor allem gewinne ich den Eindruck, dass sie vor ihren Kindern extra-stark sein möchte.

Es kann genauso wieder besser werden!

Am Ende dieser zwei sportlichen Tage überwiegen vor allem: Marens Stärke und Mut. Sie mag ihren Beruf neben dem Kümmern um die Kinder. Es steht nicht in Aussicht, diesen an den Nagel zu hängen. Insgesamt schreckt Maren nicht zurück vor Neuem, macht gerne Experimente und hat keine Angst vor Veränderung. Denn jammern? Nein, das ist nicht so ihr Ding.

Mit dem Segway am Fluss
Arbeitsleben und MS
Multiple Sklerose und tortzdem mobil – mit dem Segway
GZDE.MS.18.03.0210